Mittwoch, 15. Oktober 2008
3. Woche in Bad Trissl
Das ist jetzt die zweite Woche in der REHA Abteilung und es geht von Tag zu Tag besser.
Das Gewicht bleibt stabil und das Essen geht stets leichter. Ich schreibe zwar noch immer jeden Tag auf, was, und wieviel ich esse und trinke, doch scheint es mir nicht interessant genug um darüber zu schreiben.Was war dann interessant die letzten 7 Tage?
Donnerstag lieh ich mir ein Fahrrad aus und fuhr nach Kufstein. Im Bioladen kaufte ich Sahne und Zucker, meine Hauptnahrungsmittel. Inzwischen habe ich wohl 1,5 Kg Zucker und 2 Liter Sahne verbraucht. Neuerdings habe ich auch etwas Grießbrei und Pudding gegessen. Gestern habe ich Panna cotta probiert und schon zwei Becher davon aufgegessen. 300Kcal pro Portion und heute habe ich Tiramisu anstelle von der panna cotta gegessen. So langsam kommt Abwechslung ins Essen.
Nachdem ich den Weg nach Kufstein kannte, ich war ja schon mit dem Fahrrad dort und abschätzen konnte wie weit es ist, bin ich dann am Samstag den Weg zu Fuß gegangen. Er war ja vorbildlich ausgeschildert und zwar mit den Wegweisern des Jakobswegs. Ein blaues Schildchen mit der stilisierten Jakobsmuschel in gelb und einen kleinen Pfeil der die Richtung angibt.
Irgendwie war der Samstag mein Glückstag. Die hübsche Dame im Dirndl, die an der Rezeption der Klinik arbeitet, sprach mich an. Ich hatte keine Idee wie sie sich meinen Namen gemerkt hatte, doch sie hatte Post für mich und zwar gleich zwei Päckchen. Was für schöne Überraschung!
Auf dem Weg nach Kufstein kam ich an einem Flohmarkt von zwei Mädchen vorbei, die mich fragten ob ich ihnen etwas abkaufe. Neben dem ganzen Krims Krams hatten sie noch eine Dose mit Losen. Sie sagten, daß es einen Treffer gab und wenn man den hätte, konnte man sich aus allen Sachen, das aussuchen, was einem am besten gefiel. Ich entschied mich also für das Los.Es kostete 50 Cent. Und, wer hätte das gedacht, ich hatte den Haupttreffer und konnte mir nun etwas aussuchen. Ich fand eine hübsche rot - orangenfarbige Kunstblume die gut zu meiner gelben Windjacke passte. Ich konnte sie sogar gut ersichtlich mit einem Draht an der Windjacke festmachen. Das wird mein Glücksbringer sein!
In etwa 3 Stunden war ich in Kufstein. Zurück ging es mit dem Zug.
Am Sonntag besuchten mich mein Bruder Alfi und meine Schwester Moni. Wir fuhren nach Herrsching um dort Mittag zu kochen.Am Nachmittag gingen wir am Ammersee spazieren. Es war ein goldener Herbsttag. Am Abend lud ich die beiden in Rosenheim ins "Taj Mahal" ein. Die Dahl Suppe war ausgezeichnet. Alfi und Moni bestellten das "vegetable Thali", das aus 6 verschiedenen Gerichten besteht. Für mich bestellte ich als Hauptspeise ein Dhal Curry. Ich konnte zwar nicht die ganze Portion essen, doch ich war mehr als zufrieden mit dem was ich essen konnte. Zum trinken bestellte ich mir zwei mal einen Chai. Der schmeckte um einiges besser als der Tee den ich mir zwei bis drei mal pro Tag mache. Ich mache mir immer Schwarztee mit 6 Teelöffel Zucker und ein bis zwei Esslöffel Sahne, damit ich die 2000 kcal täglich erreiche.
Jdenfalls warder Sonntag ein gelungener Tag. Montag bis heute war Routine, Massage, Fango, Laufband, Fitness, Gymnastik, Yoga. Sehr erfolgreich war die Logotherapie.
Ich wusste nicht, daß jeder Mensch etwa 1500 mal pro Tag ganz unbewusst Speichel schluckt. Da ich Schmerzen beim Schlucken hatte, gewöhnte ich mir das einfach ab. Als Resultat hatte ich den Mund voller Speichel den ich dann ausspucken mußte, wollte ich reden. Somit habe ich schon an die Hundert Päckchen Papiertaschentücher verbraucht. Seit ich mir das Schlucken wieder angewöhnt hatte ging der Taschentuchverbrauch drastisch zurück.
Langsam erarbeite ich mir auch wieder Kondition. Am Dienstag war ich beim Nordic Walking dabei. Wir gingen ein, ein halb Stunden relativ ebenes Gelände. Heute jedoch gingen wir zur Sommer Rodelbahn und da ging es relatif steil, was alle ziemlich ins Schwitzen brachte. Auf dem Rückweg war dann jeder wieder vergnügt. Es gab einen kleinen feinen Regen, zugleich mit Sonnenschein.
Jetzt bleibt mir noch eine Woche in Bad Trissl, dann bin ich hoffentlich wieder fit genug um nach Hause zu gehen.
Mittwoch, 8. Oktober 2008
2. Woche in Bad Trissl
Nachdem es den Anschein hatte, daß ich auch ohne Infusion auf 2000 kcal kommen würde, wurde ich in der REHA Abteilung aufgenommen. Das bedeutete nun, daß die Intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegepersonal wegfiel, daß ich ein Zimmer bekam, das eher einem Hotelzimmer glich, als einem Krankenzimmer und vor allem, daß die Infusionen wegfielen. Also 2 Liter Flüssigkeit und 1000 Kcal weniger, und das von heute auf morgen. Ich habe es verglichen mit der Geburt eines Babys, das vorher über die Nabelschnur ernährt wurde, und dann, von einem Tag auf den anderen, gefüttert werden musste. Ich bekam das Essen auch nicht mehr auf das Zimmer, sondern mußte in den Speisesaal gehen um dort zu essen. Das hatte zur Folge, daß ich erstmal wieder Gewicht verlor, dann jedoch wieder zunahm. Alles drehte sich bei mir um die Nahrungsaufnahme.Menge und Kcal wurden von mir genauestens aufgeschrieben. Die wochenübersicht sieht folgendermaßen aus:
An Beschäftigung mangelte es mir die letzte Woche nicht.Ich bekam 3 mal Besuch, war zwei mal in Kufstein. Zwei mal bin ich zu Fuß nach Oberaudorf gegangen. War jedesmal im Supermarkt zum einkaufen. Ich habe genau 1 Kg Zucker letzte Wochen in Kaffee und Tee gegeben um die Kalorien zu erhöhen.Auch der Sahneverbrauch war ungefähr ein Liter.
An Anwendungen habe ich alles mögliche, Massagen, Lymphdrainage, Fango, Herz- Kreislauftraining,Fitness mit Geräten, Gymnastik, Osteopathie, Logotherapie.
Kein Wunder wenn ich kaum mehr Zeit habe, um mich mit dem blog zu beschäftigen.
|
Datum |
Gewicht |
Ernährung oral ml |
Ernährung oral Kcal |
|
02.10 |
68,4 |
1900 |
1700 |
|
03.10 |
68,0 |
2000 |
1500 |
|
04.10 |
68,0 |
1800 |
1350 |
|
05.10 |
68,1 |
2150 |
1800 |
|
06.10 |
68,1 |
2150 |
1850 |
|
07.10 |
68,4 |
2250 |
2150 |
|
08.10 |
68,6 |
2450 |
2150 |
Mittwoch, 1. Oktober 2008
1. Woche in Bad Trissl
Letzten Donnerstag wurde ich in Großhadern entlassen. Mit Krankenwagen ging es dann nach Oberaudorf. Bad Trissl ist etwa 1 Km vom Zentrum von Oberaudorf entfernt. Nach Kufstein sind es etwa 5 Km.
Der Fahrer des Krankenwagens gestattete mir am Beifahrersitz Platz zu nehmen, so mußte ich nicht
hinten angeschnallt auf der Liege, neben einem weiteren Patienten, dem
es noch schlechter ging als mir, ausharren. Der Fahrer war wirklich nett. Er kommt aus Ungarn, spricht aber ausgezeichnet Deutsch. Hätte er nicht gerade mit seiner Frau telefoniert, ich wäre niemals draufgekommen, daß er kein Deutscher ist. Es war nicht einfach für ihn mich in Großhadern zu finden. Die Zentrale, welche die Aufträge an die Krankenwagen weitergibt hatte nicht nur meinen Namen total falsch durchgegeben, sondern auch noch die falsche krankenstation. Nachdem er dann die richtige Krankenstation erfahren hatte und ich hörte, daß er nach einem Patienten suche um ihn nach Bad Trissl mitzunehen, war es kein Problem mehr. Die Liege, welche für meinen Transport vorgesehen war, verwendeten wir zum Transport des Gepäcks. Auf der Fahrt konnten wir uns recht gut unterhalten. Wir sprachen nicht über krankheiten, sondern über Budapest und Wien. Seine Frau ist ungarisch sprechende Burgenländerin. Mit den Wienern kommt er nicht besonders gut zurecht. Er erzählte von einer Begebenheit, die ihm im Zug von Wien nach Budapest passiert ist und die ihn tief geschockt hat. Im Zugabteil, ihm gegenüber saß ein Wiener mit dem er sich während der Fahrt unterhielt. Der Wiener wurde von seiner Frau begleitet, die er mit folgenden Worten an den Fahrer des Krankenwagens vorstellte: "Das ist meine Frau - sie ist zwar Burgenländerin doch trotzdem liebe ich sie". Er konnte es einfach nicht fassen, was der Wiener mit diesem Satz zum Ausdruck brachte. Kurz vor Oberaudorf empfahl er mir ein Buch " Der Jungbrunnen des Dr. Shioya" zu lesen. Es würde von einem 120 Jahre altem Japaner handeln, der eine spezielle Atemtechnik propagierte. Der Faherer versicherte mir, daß die Technik wirkt, er wende sie täglich an.
Wir hatten inzwischen die Klinik erreicht. Wärend der Fahrer sich mit dem Gepäck des anderen Fahrgasts kümmerte, schnappte ich mir meins und spazierte samt Gepäck zur Klinkrezeption. Ich konnte also auf eigenen Beinen die Klinik reingehen was mir wichtig war. Was ich nicht konnte war essen und trinken. Ich hatte auch noch regelmäßige Kotzanfälle mit schlimmen würgen.
Am nächsten Tag ging es schon besser. Das Würgen war vorbei und ich
konnte in ganz kleinen Schlucken trinken. Ich habe im Lauf des Tages
immerhin 400ml trinken können.
Dann hatte ich die Idee, alles in einer Tabelle aufzuzeichnen, die ich hier gleich wiedergeben möchte:
Die Ärzte habe ich mit meiner Tabelle und dem Ausrechnen der kcal ziemlich beeindruckt.
Normalerweise würden sie nur sehr vage Antworten auf die Frage, was haben sie gegessen, bekommen.
Am Sonntag hatte ich dann Besuch von Mama, die mit meiner Schwester Moni gekommen war.
Sie waren schon recht früh hier, noch vor der Visite. Die Visite war nur recht kurz, ich fragte ob ich das Klinikgelände verlassen dürfe. Kein Problem, solange ich um 22:00 zurück sei, war die Antwort.
Wir machten also zusammen einen längeren Spaziergang. Zum Mittagessen ließ ich Mama und Moni allein gehen, da ich sowieso keinen Bissen essen konnte. Sie würden am Nachmittag dann noch einmal vorbei kommen.
Moni half mir noch kurz beim Wäsche waschen. Dann machten wir zusammen einen Ausflug. Wir fuhren nach Kufstein. Es war wunderschönes Wetter und wir schlenderten durch die Altstadt.Auf dem Rückweg zum Parkplatz gingen wir die Innpromenade entlang und fuhren dann auf einer Landstraße, den Inn entlang bis nach Oberaudorf. Es war ein gelungener Nachmiitag. Ich hatte etwas mehr Apettit als vorher und es gelang mir, das erste mal seit der Chemo, eine Suppe zu essen. Von nun an ging es also echt bergauf.
Heute war ich soweit, daß ich die Ärzte fragte mich von den Infusionen zu trennen. Ab heute muß ich also essen, es gibt keine andere Wahl. Morgen werde ich dann in die REHA verlegt.
Gestern bekam ich das Buch von Dr. Shioya, das mir der Fahrer zu Herzen gelegt hatte. Ich hatte es über Internet bestellt.
Der Originaltitel ist: "The power of living freely". Die 120 Jahre waren etwas übertrieben, Dr. Shioya ist 105 Jahre alt. Das ist auch ein schönes Alter, wenn man, so wie er, bei guter Gesundheit ist.
Er hat drei Prinzipien für das Alltagsleben die er empfiehlt. Erstaunlich, sie decken sich mit einigen Punkten, die ich im letzten Blog Eintrag zum besten gegeben habe.
Mit den Weisheiten, die ich von mir gegegeben habe, war ich nicht ganz zufrieden.
Die drei Punkte des Dr. Shioya gefallen mir besser.
Das "nicht nörgeln" habe ich als selbstverständlich erachtet, dennoch finde ich es gut wenn es auch gesagt wird. Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht es positiv zu formulieren. zB "POSITIV BLEIBEN"
Unter "alle Dinge konstruktiv zu Durchdenken" meint Dr. Shigoya ein Ziel vorgeben. Die Kraft dazu kommt von Gott, das geht aus dem Buch klar hervor.
Die Frage, was ich aus der Krankheit gelernt habe, würde ich jetzt so beantworten:
|
Datum |
Gewicht |
Ernährung oral ml |
Ernährung oral Kcal |
|
25.09 |
67,3 |
0 |
0 |
|
26.09 |
67,5 |
450 |
200 |
|
27.09 |
67,4 |
700 |
630 |
|
28.09 |
67,6 |
950 |
1000 |
|
29.09 |
67,9 |
1100 |
1090 |
|
30.09 |
68,0 |
1440 |
1420 |
|
01.10 |
68,2 |
Ziel 2000 |
Ziel 2000 |
|
1 |
alle Dinge konstruktiv zu durchdenken |
|
2 |
DANKBAR SEIN |
|
3 |
NICHT NÖRGELN |
|
1 |
ZIEL VORGEBEN (MIT GOTTES SEGEN!!!) |
|
2 |
DANKBAR SEIN |
|
3 |
POSITIV BLEIBEN |
Mittwoch, 24. September 2008
36. Bestrahlung E N D E Bestrahlungen
Die Strahlen Behandlung begann bereits um 8:00 und dauerte auch nur ganz kurz. Keine 10 Minuten.
Gerade mal Zeit genug mir die Ankunft am Ende der Welt (Finisterre) zu vergegenwärtigen.
High light war natürlich das Meer und die Tatsache,es geschafft zu haben. Es war wunderbar, barfuß am Strand entlangzulaufen und nach Jakobsmuscheln Aussschau zu halten. Nach langem Suchen fand ich endlich meine Jakobsmuschel.Die Jakobsmuschel auf dem Foto ist aus Wikipedia, also nicht meine. Meine ist viel schöner, sie hat einen violettfarbenen Glanz. Das Zertifikat aus Finisterre, wo daraufsteht, daß man es zu Fuß geschafft hat und auf dem eine Farbige Jakobsmuschel abgebildet ist gefiel mir besser als die Campostella aus Santiago. Mein Weg hat hier geendet. Weitere Abenteuer werden folgen.
Gleich anschließend war Visite. Ich bedankte mich und verabschiedete mich beim Professor.
Dem Plan nach sollte ich morgen von Bad Trissl abgeholt werden. Die entscheidende Untersuchung über den Erfolg der Behandlung sollte in 6 Wochen sein. Falls ich in Bad Trissl keinen Zugang zum Internet haben sollte, so werde ich spätestens den nächsten Eintrag in 6 Wochen machen.
Zum Schluß vielleicht noch ein paar banale Weisheiten. Gestern bekam ich eine email mit folgender Frage:
" Was hast du in der letzten Zeit gelernt? Gibt es etwas was du als ganz wesentlich erfährst?"
Ich mußte etwas darüber nachdenken und bin dann zu folgendem Schluß gekommen:
1. Angst vor Schmerzen haben ist ein schlechter Ratgeber.
2. Große Worte sind wie Luftblasen, was zählt sind die kleinen Gesten.
3. Nimm die Dinge wie sie kommen und mache das Beste daraus.
4. Was raufgeht, geht auch runter.
5. Was reingeht muß auch rauskommen.
6. Das Allerwichtigste: SEI DANKBAR FÜR ALLES!!!!
Was ich als ganz wesentlich empfinde: Treffe eine Entscheidung und laß nicht locker ! In meinen Fall habe ich mich für das Leben entschieden!
JEDOCH DAS ALLER ALLER WICHTIGSTE: OHNE GOTTES SEGEN GEHT GAR NICHTS !!!
Dienstag, 23. September 2008
35. Bestrahlung
Montag, 22. September 2008
34. Bestrahlung
Heute früh war der Professor wieder zurück. Ich zeigte ihm so meine Bestrahlungs- schäden am Hals. Er meinte, daß das noch zur unteren Skala von Beschädigungen gehört. Na ja, mir reicht das auch schon.
Am Freitag habe ich eine ganz liebevolle email von Bellino und Annamarie bekommen. Sie haben mich an ein Wochenende in Schlanders erinnert. Mit dieser Erinnerung bin ich heute zum vor-vorletzten Mal zur Strahelentherapie. Bellino ist von Beruf Osteopat. Ich hatte das Problem, daß ich schon seit einer Woche meine Zähne nicht mehr als einen Finger breit auseinanderbrachte. An Essen ist da gar nicht zu denken. Gerade daß mal die Zahnbürste durchpasst.Das Kiefergelenk war entzündet und ich mußte Antibiotika nehmen. Ich habe auch ziemlich einiges an Gewicht verloren. Ich fuhr am Wochenende nach Schlanders um mich von Bellino behandeln zu lassen. Die Behandlung war wie ein Wunder. Ich konnte nach der Behandlung 3 Finger zwischen meine Zähne schieben und fühlte mich auch wieder sehr energiegeladen. Annemarie kenne ich schon seit der Volksschule. Wir waren immer in der selben Klasse. Nach der Behandlung besuchte ich noch kurz Annemarie. Da war noch ihre Schwester und deren Mann, den ich noch von meiner Studentenzeit in Wien kannte.
Sie erzählten mir, daß sie morgen eine Bergwanderung mit Bellino und Annamarie zur Similaunhütte machen wollten. Die Similaunhütte ist nicht weit von der Ötzi Fundstelle entfernt. Es war schon seit langem mein Wunsch dorthin zu gehen. Bellino meinte, ihn würde es freuen wenn ich mitkommen würde, dann wäre er nicht immer der letzte beim gehen. Die Entscheidung mitzugehen viel mir leicht. Bellino leihte mir noch Bergschuhe, er hatte ein paar übrig die mir perfekt passten. Jetzt mußte ich nur noch die Windjacke von meiner Mutter ausleihen und für die Ausrüstung war gesorgt.
Es wurde ein wunderschöner Tag. Wir fuhren mit dem Auto bis Vernagt. Der Stausee schimmerte in einer dunklen blaugrünen Farbe. Es war schon am frühen Vormittag sehr heiß und ich kam bald ins Schwitzen. Der Höhenunterschied zwischen Vernagt und der Simmilaunhütte ist um die 1300 Meter. Zum Glück habe ich drei T shirts mitgenommen, man konnte ja nicht wissen wie das Wetter oberhalb der 3000 Meter ist. Das Gehen viel mir leicht. Trotzdem war ich gegen dem Ende zu dann etwas erschöpft. Ich ließ die anderen mal vorausgehen und wollte das letzte Stück ganz nach meinem Tempo und Kräften allein bewältigen. Ich kam etwa eine halbe Stunde später an, doch ich hatte es geschafft. Es war ganz schön kalt auf deem Pass. Der Gletscher war nur um die 200 Meter entfernt.
Ich ging lieber in die Hütte wo sich auch Bellino und Annamarie mit einem Tee aufwärmten.
Ich hatte schrecklichen Durst. Der beste Durstlöscher sollte Skiwasser sein. Bis jetzt hatte ich noch nichts davon gehört, doch einmal ausprobiert konnte ich damit nicht mehr stoppen. Ich bestellte noch weiter 2 große Gläser davon. Ich fühlte mich ganz leicht und war stolz es geschafft zu haben. Ein Bergführer, von dem ich den Tip mit dem Skiwasser hatte erzählte mir von seinen Erfahrungen mit ungeübten Bergsteigern. Wenn sie mal die 3000 Meter geschafft haben, dann schaffen sie auch noch den Rest bis zur Similaunspitze. Einige wollten auf der Hütte übernachten um am darauf folgenden Tag den Gipfel zu erreichen. Wir machten uns dann lieber an den Abstieg, das Wetter hatte umgeschlagen und es schaute nach Regen aus.
Dem Regen konnten wir nicht ganz ausweichen, doch es kam bald die Sonne wieder zum Vorschein.
Für die Knie war der Abstieg etwas anstrengend, doch wir machten genügend Pausen. Die Schuhe von Bellino passten übrigens ausgezeichnet, keine einzige Blase und nichts tat weh. Zum Schluß hat er mir die Schuhe geschenkt, da sie ihm immer etwas drückten und er sich deswegen neue gekauft hat.
Ich hätte seine Schuhe fast für den Jakobsweg verwendet, wären sie nicht so schwer gewesen, doch für solche Bergwanderungen waren sie ideal.Ich hoffe sie noch öfters zu benutzen und noch ein paar gemeinsame Bergwanderungen mit Bellino und Annamarie zu machen
Heute regnete es schon den ganzen Tag. Es ist gemütlich hier im Krankenbett. Die Aussicht, daß es nur noch drei Tage sind stimmt mich froh.
Sonntag, 21. September 2008
4. Sonntag im Krankenhaus
Es ist das letzte Wochenende im Krankenhaus. Ich kann es nicht erwarten, dem Krankenhaus den Rücken zuzuwenden. Ich bin mir sicher, daß allein schon der Umgebungswechsel mir einen enormen Schub nach vorne gibt.Letztendlich sind es anstelle von 35 Bestrahlungen, zu je 2 Gray, wie man mir anfänglich gesagt hat, doch 36 geworden. Auf die eine mehr kommt es mir auch nicht mehr darauf an. Ich muß nur den Zähler noch kontrollieren. Also, noch 3 Tage bis zum Ende der Strahlentherapie, das ist dann Mittwoch. Donnerstag geht es dann zur REHA nach Bad Trissl. Der Sonntag in der Klinik ist immer besonders langweilig. Zum Glück gab es noch eine DVD von Rainer die ich noch nicht gesehen hatte, und zwar "Der Herr der Ringe". Ich dachte erst, daß es ein märchenartger ruhiger Film sein soll der für Kinder geeignet sein soll. Er war zwar spannend, doch für Kinder scheint er mir doch etwas zu brutal zu sein, oder bin ich mittlerweile zu empfindlich?
Jedenfalls verging so auch der Sonntag.
Samstag, 20. September 2008
4. Samstag im Krankenhaus
Gleich nach dem Aufwachen und der täglichen Trombosespritze wollte man mich schon wieder an Infusionen hängen. Immerhin ließ man mir noch die Zeit zum Duschen. Der Rest des Tages jedoch blieb ich an den Schläuchen festgemacht. So gegen 22:00 Uhr müßte alles durchgelaufen sein. Doch kurz nach Mitternacht kommt dann wieder das Antibiotika.Das wird vielleicht eine Stunde laufen. Dann dürfte ich wieder bis morgen Früh befreit sein von den Schläuchen. Hätte ich nicht mein kleines Notebook mit Internetverbindung, ich wüßte nicht was ich den ganzen Tag im Bett machen sollte.
Freitag, 19. September 2008
33. Bestrahlung
Donnerstag, 18. September 2008
32. Bestrahlung
Mittwoch, 17. September 2008
31. Bestrahlung
Dienstag, 16. September 2008
30. Tag der Bestrahlung
Montag, 15. September 2008
29. Bestrahlung
Sonntag, 14. September 2008
3. Sonntag im Krankenhaus
Der Sonntag verlief ganz unspektakuär. Ein bis zwei Stunden bin ich im Bad zur Körperpflge. Wollen allein hilft nicht viel. Sich Aufraffen in das Bad zu gehen um Zähne zu putzen das verlagt einiges. Es ist natürlich kein normales Zähneputzen. Achtung, wer etwas empfindlich ist soll nicht mehr weiterlesen.Erst muß ich so viel wie möglich zähflüssigen Schleim ausspucken, dann mit einer Mundbürste der Rest herausholen. Dann knn man versuchen mit der Zahnpaste und Zahnbürste die Zähne zu reinigen.Nach einer Minut ist die Zahnbürste so verschleimt, daß man sie wider reinigen muß.
Die ganz Prozdur dann nocheinmal.Dann mit einer Spülflüssigkeit nachspülen. Wer glaubt, jetzt hat man endlich Rhe täuscht sich. Eine halbe Stunde später ist der Schleim wider da und Du fragst Dich ob das jetzt was gebracht hat.
Zum Schluß noch was erhebenderes: Lisa war zu Besuch und hat mir eine wunderschöne Sonnenblume gebracht, die ich vom Bett aus sehen kann.
Samstag, 13. September 2008
3 Samstag im Krankenhaus
Welche Überraschung heute Morgen. Da kam mein Bruder zur Tür hereinspaziert so als wäre es das normalste in der Welt, daß er Samstag mich besuchen kommt. Mir ging es gerade gut, er hat einen guten Zeitpunkt gefunden. Mein Zimmernachbar war gerade am weggehen, wir gingen auch ein paar Schritte. Doch letztendlich mußte ich wieder zurück ins Bett.Ich sollte mich schonen. Die Blutwerte waren noch immer nicht in Ordnung und ich bekam den üblichen Medizinenmix. Es wurde wieder mal Blut abgenommen. Samstag war mal wieder Filmtag.Ein Luxemburgischer Film,"Revanche" am Vormittag und am Nachmittag"Die fabelhafte Welt der Amelie". So verging also wieder ein Tag.
Freitag, 12. September 2008
28. Bestrahlung
Donnerstag, 11. September 2008
27. Bestrahlung
Mittwoch, 10. September 2008
26. Bestrahlung
Dienstag, 9. September 2008
25. Bestrahlung
Montag, 8. September 2008
24. Bestrahlung
Vergangene Woche erinnerte mich Fabio an ein Erlebnis, das ich schon fast vergessen hatte. An die Details erinnerte ich mich zwar nicht mehr, doch Fabio hatte in dieser Hinsicht das bessere Gedächtnis. Ich konnte mich zwar noch erinnern, daß wir im Sommer einen Fahrradausflug durch die Dünen nach Katwijk gemacht haben und dort einen Tempel besucht hatten, die weiteren Details muß ich wohl inzwischen vergessen haben. Ich kann mich noch gut erinnern, wie kurz vor Katwijk mitten in den Dünen ein sehr eigenartiges Gebaüde auftauchte. Wir hatten überhaupt keine Idee worum es sich bei dem Gebäude handeln würde. Vielleicht war es eine Pumpstation, vielleicht war es eine Wasseraufbereitungsanlage. Es hatte eine etwas eigenartige Kuppel, war aber ansonsten recht zweckmäßig gebaut.Um herauszufinden worum es sich handelte mußten wir uns das wohl näher anschauen. Vom Fahrradweg gab es zwar keinen direkten Zugang zu dem Gebäude, doch irgendie mußte man ja hinkommen. Wir fuhren also Richtung Katwijk. Von dort mußte es dann wohl eine Straße zurück zum Gebäude geben. Dort angekommen, sahen wir daß es sich nicht um irgendein technisches Gebäude handelte sondern um einen Sufi Tempel. Im Rahmen einer Sommerakademie wurden Seminare veranstaltet. Da wir schon mal da waren, wurden wir neugierig. Die Seminare waren auf Englisch und die Teilnehmer schienen von überall auf der Welt zu kommen. Wir fragten ob wir auch an einem der Seminare teilnehmen konnten. Das sei überhaupt kein Problem. Inzwischen habe ich auf Wikipedia Details über den Tempel und dessen Gründung gefunden. Fabio hat sich noch an den Sufi Gelehrten erinnern können. Ich zitiere was ich in Wikipedia üer den Tempel finden konnte:
"Universal Sufi Temple:
In 1922, during a summer school, Inayat Khan had a 'spiritual experience' in the South Dunes in Katwijk. He immediately told his students to meditate and proclaimed the place where he was on that moment holy. In 1969, a temple was built on that specific place, a Universal Sufi Temple. Every year, a Sufi summer school takes place in this temple, and many Sufis from around the world visit the temple each summer."
Wir entschlossen uns an einem der Seminare teilzunehmen. Fabio erinnerte sich noch an das Seminar, es ging um das Sutra des Herzens, einer klassischen Budhistischen Schrift. Ich habe inzwischen in Wikipedia eine Deutsche Übersetztung des Sutras gefunden das ich hier wiedergeben möchte: Das Herzstück der Lehrverse über die Vollkommene Weisheit [1]
Verehrt sei die totale Erkenntnis!
Der ehrwürdige Bodhisattva [2] Avalokiteshvara [3], tief versunken im Reinen Gewahrsein [4], sah klar:
"Die Fünf Persönlichkeits-Phänomene“ [5] sind ihrem Wesen nach leer [6](6); dies sah er (aus seiner erleuchteten Sicht).
( Was dies im einzelnen bedeutet, erklärt er dem Mönch Shariputra [7] mit den folgenden Worten )
Oh Shariputra, der physische Körper ist leer, leer ist ebenso jegliche Form; Erscheinung ist nicht verschieden von Leerheit, Leerheit nicht verschieden von Erscheinung; was Form ist, ist leer, was leer ist, ist die Form, und dasselbe gilt für Empfindung [8], Wahrnehmung [9], mental-emotionales Gedächtnis [10] und Objekt-Bewusstsein [11]. Oh Shariputra, alle Daseinsfaktoren [12] sind durch Leerheit gekennzeichnet: sie sind nicht entstanden, sind nicht anhaltbar, nicht verunreinigt, nicht geläutert, nicht mangelhaft und nicht vervollständigt worden.
Deshalb, Shariputra, gibt es in der Leere [13] keine physische Gestalt, keine Empfindung, Wahrnehmung, mental-emotionales Gedächtnis oder Objekt-Bewusstsein; weder Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper noch Denk-Organ [14],nichts, was man sehen, hören, riechen, schmecken oder tasten kann, keine Daseinsfaktoren,keine Sehempfindungs-Elemente [15] und so weiter bis hin zu den kognitiven Bewusstseins-Elementen.
(In der Leere gibt es) weder Fakten-Wissen noch Ignoranz [16], weder Wissens-Abbau noch Unwissenheits-Abbau und soweiter bis hin zu: weder Altern noch Sterben [17] noch Alters- und Todes-Aufhebung; kein Leiden: weder dessen Ursache noch dessen Beendigung und keinen Weg (der Befreiung vom Leiden) [18], kein Höheres Wissen, keine Bestrebungen [19]. Deshalb: nichts erstreben die Bodhisattvas, im Reinen Gewahrsein Zuflucht nehmend, sind sie frei von hinderlichen Gedanken.Von Gedanken nicht behindert, (daher auch) nicht beängstigt, die Verzerrungen (des Ego) überwunden habend, (weilen sie) zu guter Letzt im Ueberweltlichen SEIN.[20] (Obschon sie in den) „Drei-Zeiten“ [21] gegenwärtig sind, finden alle Buddhas im Reinen Gewahrsein Zuflucht, der unübertrefflichen, vollen Erleuchtung, der wahren SELBST-Verwirklichung. Deshalb sollte man [22] Kenntnis haben von der erhabenen „Beschwörungsformel[23] für das Reine Gewahrsein“, dem Mantra der Höheren Erkenntnis, dem unübertrefflichen, unvergleichlichen Mantra, das alles Leiden besänftigt.Dies ist die Wahrheit, keine Täuschung.Das im Reinen Gewahrsein verkündete Mantra lautet: „gate, gate, paragate, parasamgate--- BODHI--- svaha!“
„gegangen, gegangen,[24] ans andere Ufer gegangen, gänzlich hinüber gelangt-—ERWACHEN---aaah!“[25]
Hiermit ist das Herzstück über die Vollkommene Weisheit vervollständigt.
Das Seminar dauerte etwa 3 Stunden und auf dem Rückweg blieb noch genug Zeit für ein Gespräch über dieses Thema.
Ich werde mich wohl heute bei der Bestrahlung damit nochmal auseinandersetzten. Gerne erinnere ich mich an den Tempel und das ungeplante Seminar. Danke Fabio!!
Abonnieren
Posts (Atom)
