Donnerstag, 14. August 2008
9. Tag der Bestrahlung
Lisa fuhr mich mit dem Auto in die Klinik, welch ein Luxus. Ich ersparte mir das S.Bahnfahren und das Warten auf den Bus.
Kurz bevor wir wegfuhren bekam ich noch eine email aus Holland, von Jaco, einem Arbeitskollegen, mit dem ich, ja inzwischen sind 20 Jahre vergangen, das Büro teilte.
Während der Bestrahlung dachte ich an die Zeit zurück, wie ich Holländisch lernte. Jaco, der äußerst kommunicativ ist hat mir dabei sehr geholfen. Ich erinnerte mich daran, wie er auf die Geburt seines zweiten Sohnes gewartet hat, eine spannende Zeit. Später kam ab und zu sein kleiner Sohn mit zur Arbeit, eine willkommene Abwechslung für mich, wie er sich mit Zeichnen und Computerspielen die Zeit vertrieb und sehr folgsam war, weder Jaco noch mich bei der Arbeit zu stören.
Am Abend kam dann noch Angelika auf Besuch. Sie hatte eine Fahradtour gemacht und war mit dem Schiff von Schondorf nach Herrsching gefahren um dann mit der S Bahn zurück zu fahren. Ich konnte sie überreden noch kurz vorbeizuschauen und begleitete sie dann zurück zur S Bahn.
Mittwoch, 13. August 2008
8. Tag der Bestrahlung
Heute Morgen, ganz früh war wieder eine email aus Kanada angekommen.
Bevor LeeAnne schlafen geht schickt sie mir eine kurze mail mit was aufmunterndem. Heute werde ich originalzitieren: "What a great idea to intentionally call images into your mind, and to not let the cancer or the doctors or the drugs or the apparatus be the masters. I will try to send you more images.
Here's another one. I'm not sure which town we were in, but we were sitting in the sun, under an umbrella of an outdoor cafe, drinking beer. We had a nice dish of green olives to share. I think we also had some little snacks. The sun was shining, we had a nice glass of cold beer, and life was very good. Just think of it - we were relaxing in Spain! It's a good idea for me also to remember those images!"
Als nächstes mußte ich herausfinden wo das war, wieder eine hübsche Aufgabe. Schönes Wetter war ja selten und Städte gab's auch nicht so viele.
Ich kann mich vage an eine Stadt erinnern, die durch einen Fluß in Altstadt und Neustadt geteilt war. Wir kamen relatif früh an und gingen dann, nachdem wir die Brücke überquert hatten die Flußpromenade hinunter, und dann nach dem Einholen von Auskünften (das machte immer LeeAnne, unsere Spanischübersetzerin) standen wir vor dem Albergue, das allerdings erst in einer Stunde aufsperrte. Ich ging mit LeeAnne um die Ecke zu dem besagten Cafe. Woran LeeAnne sich nicht mehr so gut erinnern kann, ich mich aber umso besser, waren die Probleme nach einer Stunde relaxen wieder aufzustehen.
Das war echt gemein, an normales gehen war nicht zu denken, alles tat weh, muß lustig gewesen sein uns beim Gehen zuzuschauen. Oliver Schroer, ein bekannter Geiger aus Canada, der den Camino gemacht hatte, sagte in einem Interview sinngemäß, daß dir dein Körper auf zwanig verschieden Stellen in zwanzig unterschiedliche Arten wehtut.
Ich habe dann im Internet anhand der Camino Etappen herausgefunden, daß es sich nur um Najera handeln konnte.
Dieses Bild vom Cafe werde ich bei der heutigen Behandlung weiterspinnen, hoffentlich ohne die Schmerzen an den Beinen zu spüren und eher die relaxte Atmosphäre auf der Plaza. Eventuell kann ich es noch auf den Abend ausdehnen, wir gingen mit der Gruppe rund um Lorenzo zum Abedessen, da es keine Küche im Albergue gab. Zur Abwechslung luden wir diesmal Lorenzo, unseren Italienischen Koch zum Essen ein. Also, es gibt heute genug Stoff bei der Behandlung in eine andere Welt abzusacken.
Die Visite war wieder hier, ich kann bis Montag Früh wegbleiben, ein Verlängertes Wochenende ist drin. Freitag gibt es keine Bestrahlung.
Ich bekomme ab sofort "EMEND" gegen Übelkeit, das mit dem "CISPLATIN" besser zusammenarbeitet.
Dienstag, 12. August 2008
7. Tag der Bestrahlung Chemo
Heute morgen bekam ich eine mail von LeeAnne. Sie erinnerte sich gerade an ein Frühstück mit Birnenkompott und frischem Yoghurt das wir gemeinsam in einem Albergue gegesen hatten.
Während der Bestrahlung ließ ich diesen Tag Revue passieren und siehe da, ich war nicht mehr das Opfer, das mit einer Maske festgeschnallt an einem Gerät und diesem ausgeliefert war, sondern jemand der mit einem Lächeln auf dem Gesicht an eine schöne Zeit denkt. Diese Strategie muß ich mir beibehalten. Es schadet doch nichts, mit den Gedanken nicht länger gefangen zu sein, ich erinnerte mich an dem Tag des Birnenkompottfrühstücks. Es war der ertse Tag nach Santiago, wir waren in einem Albergue in Negreira. Ich war der erste Pilger der im Albergue ankam. Hostelleiro oder Hostelleira waren noch nicht da. Ich konnte mir ein Bett aussuchen. Zu meiner Überraschung gab es keine Stockbetten. Ich nahm eins der beiden Betten am Fenster. Später kam dann auch LeeAnne, sie nahm das andere Bett am Fenster.
Wir waschten unsere Sachen und hingen sie an ein Seil am Fenster zum trocknen, da es draußen nach Regen ausschaute. Dann spielten wir Hang Man, ein Spiel wo man ein Wort erraten mußte aus der Ahnzahl der Buchstaben,
LeeAnne begann mit_ _ _ _ _ _ _ _. Der erste Buchstabe den ich erriet war
A_ _ _ _ _ _ _ . Als Namen wollten wir nur solche verwenden, die mit dem Camino zu tun haben. Mir kam gleich Albergue in den Sinn, da es ja naheliegend war und ich hätte mir das auch ausgedacht. Siehe da, beim ersten mal erriet ich das vollständige Wort. ALBERGUE.
Jetzt hänge ich wieder am Tropf. Zwei Liter Flüssigkeit muß in mich rein. Letztes Mal ist dabei mein Gesicht wie ein Ballon aufgeschwollen.
Dann kommt das Cisplatin dran, plus zwei Medikamente gegen Übelkeit.
Aber erst kam noch das Mittagessen. Es gab gekochtes Rindschnitzel.
Obwohl ich Vegetarier bin habe ich es trotzdem gegessen.
Den gazen Nachmittag war ich dann im Bett, habe Musik vom Camino gehört und ab und zu der Chemo beim tropfen zugeschaut.
Einige emails hatte ich beantwortet, das macht mir Spaß, vor allem wenn sich jemanden meldet, den ich schon ganz aus den Augen verloren hatte, wie Jaco aus den Niederlanden. Und für einen guten Ratschlag, die Arbeit betreffend bin ich auch gerne zu haben. Zum Schlafen nahm ich mal lieber eine Schlaftablette, denn morgen möchte ich wieder zurück nach Hause.
Montag, 11. August 2008
6. Tag der Bestrahlung
Also, Montag ging's wieder in die Klinik. Zum Glück war die Bestrahlung erst gegen 11, und so mußte ich nicht allzu früh von zu Hause weg. Ich nahm die -Bahn um 08:05, mit der ich normalerweise zur Arbeit fuhr.
Wie sonst üblich, war auch Ralph im Zug, mit dem ich mich öfters unterhalten hatte. Diesmal hatte ich ein recht interessantes Thema auf lager.
Bertrand Piccards Weltumrundung in einem Solarflugzeug (http://www.solarimpulse.com) ich hatte Sonntag Abend eine Reportage vom Schweizer Fernsehen gesehen.
In Pasing mußte ich allerdings aussteigen und in den Bus umsteigen.
Die üblichen Aufnahmeformalitäten folgten, dann die Bestrahlung. Allem Anschein sollte ich heute noch die Chemo bekommen, doch bis jetzt hat sich nichts gerührt
Sonntag, 10. August 2008
Sonntag
Sonntag morgen, gingen wir gemütlich an. Jeder hat ausgiebig geschlafen. Gaetano sicher am längsten. Er ist am Samstag um 22:00 nur noch kurz wegen des Feuerwerks wach geworden, dann jedoch gleich wieder eingeschlafen.
Mama hat am längsten geschlafen. Gaetano und Gaby machten einen Morgenspaziergang am See entlang. Ich fuhr mit dem Fahrad zur Tankstelle um Salz und Mineralwasser zu kaufen. Der Tankwart meinte, daß man beim Salz sehr vorsichtig sein muß, denn wenn das Salz ausgeht, ginge auch das Geld aus.
Dann traf ich Gaetano und Gaby an der Seeuferpromenade und wir gingen in die Konditorei um Brötchen kaufen. Gaetano hat sich bei der Bestellung schon die deutschen Worte zurechtgelegt, dann, im letzten Moment, bestellte Gaby die Brötchen. Welche Entdeuschung für Gaetano, der nicht zm Zug kam.
Gaetano und Gaby machten sich gleich nach dem Frühstück auf den Rückweg.
Samstag, 9. August 2008
Wochenende in Herrsching
Gaetano, Gaby und Mama kamen mich besuchen.
Wir machten einen langen Spaziergang an der Uferpromenade.
Mama und Gaby kochten das Abendessen, Spaghetti al Pesto mit grünen Bohnen, von denen ich die meisten gegessen hatte.
Wir hatten zuwenig Salz für die Spaghetti und Andy unser Nachbar, hatte nur tibetisches Kristallsalz in flüssiger Form.
Für Gaby und Gaetano, ein echtes Manko, sie sahen jedoch darüber hinweg, jedenfalls hat es jeden trotzdem geschmeckt.
Nachher zeigte ich Gaetano noch die Dia Show vom Camino, mit der passenden Musik. Zum Glück war die Show nur sehr kurz da Gaetano müde von der Fahrt war.
Freitag, 8. August 2008
5. Tag der Bestrahlung
Auf der Fahrt in die Klinik traf ich einen Arbeitskollegen. Wir unterhielten uns über alles mögliche, er schilderte mir, so wie üblich, wenn wir gemeinsam S Bahn fahren einen seiner interessanten Fälle.
Die Bestrahlung selber ist eigentlich unspektakulär, die Wirkungen, bleiben jedoch nicht aus.
Heute war wieder mal zur Abwechslung ein Filter im Strahlengerät vorgeschoben.
Ganz schön kompliziert alles.
Auf dem Nachhauseweg nahm ich den Bus zur S Bahn. Eine Frau mußte sich ziemlich beeilen um den Bus nicht zu verpassen. Ich wollte ihr die Tür offen halten, falls sie es nicht rechtzeitig schaffte. Sie saß hinter mir und kam mir irgendwie bekannt vor, dann viel mir ein, daß ich sie im Warteraum zur Strahlentherapie mal gesehen hatte und sie am Socken stricken war.
Ich drehte mich um und fragte ob sie die Frau sei, die im Warteraum Socken strickte.
Sie lachte recht freundlich und sagte, daß es stimmt. Da fragte ich sie wie lange sie das denn schon macht. 35 Bestrahlungen hatte sie schon hinter sich und jetzt hatte sie nur noch 3 zusätzliche Bestrahlungen zu machen. Ich war total erstaunt, die Frau schaute so ungemein gut aus, ich konnte es kaum glauben. Ich sagte ihr, das mir das ungemein viel Hoffnung gibt, wenn ich sehe, daß sie nach all den Behandlungen noch so gut ausschaut. Sie war so ungemein Positiv und sagte, daß ihre aller längsten Ferien jetzt bald zu Ende gingen. Sie erzählte, daß sie Musiklehrerin sei und ich spürte sofort, daß sie ihren Beruf liebte.
In Pasing mußte ich über eine halbe Stunde auf die S Bahn warten und hätte sie fast versäumt, hätte ich nicht einen Sprint hingelegt. Ganz außer Puste kam ich zur Tür herein und mußte mich gleich hinsetzten, weil mir fast schwindelig wurde. Eine Frau die mir gegenüber saß, meinte, daß es aber knapp gewesen wäre und die nächste Bahn erst in 40 Minuten fahren würde. Sie fuhr auch nach Herrsching und wir unterhielten uns übers wandern in der Münchner Gegend. Auffallend war ihre Abgestimmte Kleidung. Ganz in weis, mit viel Goldschmuck, eine silberne Handtasche und dazu passend silberne Schuhe.
Angekommen in Herrsching fing es an zu Regnen, Schirm hatte ich keinen, doch das war mir egal. Ganz durchnässt kam ich zu Hause an.
Ich hab dann noch eine mail an Sandra geschrieben, sie hat mich an Japan erinnert, die Wanderung von Kita Kamakura zum Great Buddha und die Fahrt mit dem Schinkansen nach Kyoto. Der Aufenthalt in Nikko im Ryokan viel mir auch wieder ein. Wie schön es doch ist, sich wieder mal an so was zu erinnern, 14 wundervolle Tage in Japan.
Donnerstag, 7. August 2008
4. Tag der Bestrahlung
Ich hatte etwas länger als normal geschlafen. Eine freudige Überraschung war eine ganz liebe email von Antje. Ich war zu Tränen gerührt. Sie wollte mir gute Energien schicken, um mich aufzubauen.
Die Bestrahlung war erst am Nachmittag, sie war superschnell vorbei, ich bin sogar 5 Minuten vor dem Termin drangekommen.
Dann ging's nach Bad Aibling. Glücklicherweise hat mich Angelika begleitet.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dort hinzukommen war gar nicht einfach, nochdazu war die Bahnstrecke wegen Bauarbeiten unterbrochen und wir mußten den Schienenersatzverkehr nehmen. Es war ziemlich warm gestern. In der Klinik in Bad Aibling wurde als erstes mein Energielevel gemessen, er war bei Minus 16%, was laut Aussage des Arztes erstaunlich hoch war, in Anbetracht der Behandlungen die ich hinter mir hatte.
Dann wurde, wie üblich, wieder mal Blut abgenommen.
Als nächstes fuhren wir nach Rosenheim, ich hatte Angelika zum Abendessen eingeladen.
Wir setzten uns, an einem schattigen Platz, neben einem Brunnen. Es war noch immer recht warm und alle Gäste saßen draußen. Ursprünglich wollte ich eine Pizza mit Artischocken essen, meine Lieblingspizza, doch dann setzte sich der Verstand durch und ich bestellte einen Gemüßerisotto. Angelika, bestellte dasselbe, womöglich aus Solidarität.
Die Portionen waren enorm. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, das alles aufzuessen, nochdazu wo ich seit der Chemo keinen Bissen hinuntergebracht hatte.
Allein hätte ich das sicher nicht geschafft, doch Angelika wußte mich zu unterhalten und so langsam wurde der Teller leerer und leerer. Dann waren nur noch zwei Löffel übrig.
Angelikas Teller war inzwischen leer, hat alles brav aufgegessen, so ließ ich m ich nicht lumpen und beförderte die letzten zwei Löffel in den Mund. Ich hatte also den ganzen Teller aufgegessen, trotz des Gefühls im Magen dich gleich ergeben zu müssen.
Am Bahnhof angekommen stellten wir fest, daß kein Zug fuhr sondern Schienenersatzverkehr.
Über eine Stunde ging's durch die bayerische Landschaft, durch Orte wie Tuntenhausen (kein Witz), bis wir endlich in Grafing in den Zug nach München steigen konnten.
So gegen 10 Uhr abends war ich wieder zu Hause und heilfroh, daß ich den Risotto im Magen behalten hatte und mich endlich ins Bett legen konnte.
Mittwoch, 6. August 2008
3. Tag der Bestrahlung
Letzte Nacht habe ich wenig geschlafen. Erstens dauerte die Chemo bis 23:00 und dann mußte ich dauernt pinkeln von dem vielen Wasser, das ich über die Venen bekommen hatte. Nach der Bestrahlung hatte ich nur mehr eins im Sinn, weg von der Klinik. Vieleicht habe ich auch ein bischen übertrieben wie der Professor zur Visite kam. Ich schilderte ihm wie mir heute früh etwas übel von der Chemo war, daß ich jedoch mit etwas Zwieback und Orangensaft die Übelkeit gleich los geworden bin. Andere Nebenwirkungen wie Schluckauf habe ich ihm noch geschildert und den etwas eigenartigen Geschmack im Mund. Alles in allem habe ich das in keinster Weise wehleidig geschildert, das muß ihn irgendie geärgert haben. Ich hatte das Gefühl daß er es mir nicht gönnt, daß es mir nach der Chemo noch so gut geht und ihm sagte daß ich heute nach Hause gehen würde. Ansonsten ist sein Satz "Beim nächsten Mal werden sie es sicher nicht so leicht wegstecken" nicht zu verstehen. Allerdingss gab er noch eins drauf indem er von der Magensonde zur künstlichen Ernährung sprach. Damit konnte er mir allerdings keine Angst einjagen, denn bestimmen wie ich ernährt werden will kann ich noch selber. Es gab wirklich keinen Grund von der Magensonde zu sprechen, solange ich noch bei so gutem Apetit war und die Mundschleimhäute noch keine Anzeichen von Infektionen aufwiesen.
Das hätte er sich wirklich sparen können.
Immerhin bekam ich zum Schluß noch die von mir geforderte Arbeitsuntauglichkeitsbescheinigung (welch ein kompliziertes Wort).
Es ging mir so gut wie schon lange nicht mehr als ich die Klinik verließ.
Immerhin war ich den Geruch der dreckigen Windeln meines Zimmergenossen los, das Wetter war super und ich konnte nach Hause.
Zwei Päckchen warteten auf mich zu Hause.Eins mit Medikamenten und eins mit Musik eines Kanadischen Geigers, Oliver Schroer, der den Camino gemacht hat und in den Kathedralen am Weg Violinaufnahmen gemacht hat.
Ich muß mir die CD gleich anhören.
Leider ist er vor etwa drei Wochen an Krebs gestorben, er hat wunderbare Musik hinterassen, ein Interview in einer Kanadischen Zeitung hat mich tief berührt wo er den Camino geschildert hat und über seine Auftritte sprach, die ja nie zu planen warenn, da er nie wußte wann er in einer bestimmten Kathedrale sein würde. Die Violine hat er in einen Pappkarton in seinem Schlafsack verstaut, um die Saiten zu schütze hat er seine Unterwäsche zwischen dem Geigenkasten und den Saiten gegeben. Eine lustige Prozedur muß wohl das Auspacken in der Kathedrale gewesen sein. Auch das Publlikum war immer verschieden. Es hatte sich zwar herumgesprochen, daß er in jeder Kathedrale auf dem Weg seinen Auftritt machte, dennoch war es nie von vornherein geplant und somit waren die gerade Anwesenden sein Publikum.
Was mir noch in Erinnerung geblieben ist waren seine Schilderung der Schmerzen die man auf dem Camino haben kann: 20 verschiedenartige Schmerzen in 20 verschiedenen Körperteilen.
So, jetzt höre ich mir wirklich die CD an.
Dienstag, 5. August 2008
2. Tag Bestrahlung und Chemo
Das mit der Bestrahlung heute früh war ein kurzer Prozess, eine halbe Stunde und ich war fertig.
Dann begann das Warten auf die Chemo. Ich bekam zwar Antikotztabletten heute früh, nahm sie jedoch nicht, da noch nicht mit der Chemo begonnen wurde.
Irgendwann heute Vormittag kam dann die Arztvisite. Denen erzählte ich welche Schmerzen ich heute früh unter der Dusche hatte und zwar in der rechten Schulter, da wo ich operiert wurde.Ich mußte mich gleich wider ins Bett legen.
Der Arzt sagte was von der Rotatorenmanschette aber gleichzeitig ordnete er ein EKG an zu dem ich trotz meiner Proteste im Rollstuhl hingefahren wurde. Auf der Überweisung stand dann auch "ausstrahlende Schmerzen in linker Schulter"
obwohl ich eindeutig auf die rechte Schulter hingewiesen hatte.
Den Rest des Tages lag ich dann am Tropf wobei man mir nur Wasser verabreichte, wegen den Nieren. Und die ganze Zeit warten auf die Chemo.
Die Chemo kam dann zugleich mit dem Abendessen. Das Abendessen ließ ich mir jedoch nicht nehmen und setzte mich zu Tisch zusammen mit der Chemoinfusion. Eigentlich müßte es einem den Apetit verschlagen, Gift durch die Vene und Essen durch den Mund. Von der Chemo spüre ich bis jetzt nichts.
Jedenfalls kann ich mich gut konzentrieren und meinen Blog nebenher schreiben, hätte ich mir nicht gedacht.
Ich hoffe ganz stark, daß ich morgen die Klinik wieder verlassen kann und nur mehr zu den Bestrahlungen kommen muß, zuminest bis zur nächsten Chemo, nächste Woche.
Montag, 4. August 2008
1. Tag der Bestrahlung
Jetzt bin ich wieder in der Klinik in Großhadern und zwar auf der Station für Strahlentherapie.
Ich war schon früh dort und habe gleich das Zimmer zugewiesen bekommen. Diesmal bin ich nicht allein, sondern mit einem anderen Krebspatienten.
Den hats am Hintern erwischt und zwar beim Schließmuskel. Wir haben zusammen Frühstück gegessen. Nachher bin ich zur ersten Bestrahlung gegangen. Es war ganz unspektakulär, spüren tut man nichts, man liegt total unbeweglich, mit einer Maske wird der Kopf fixiert, um den Kopf dreht sich das Bestrahlungsgerät, es läßt sich erkennen, daß das Strahlenfeld größer und kleiner wird, jedefalls spürt man nichts und wenn die Maske abgenommen wird ist man erleichtert.
Heute werden noch Vorbereitungen getroffen für die Chemotherpie die morgen stattfindet. Bin heute ganz gelassen, habe keine Schmerzen und fühle mich wohl.
Donnerstag, 10. Juli 2008
Operation (neck dissection)
Ich hatte am Abend zuvor fürchterliche Kopfschmerzen, nichts half mehr, ich war echt froh in die Narkose wegzusacken. Der Diensthabende Arzt hat mir noch am Abend zuvor mit ernster Mine gesagt, daß im Pathologischen Institut der Tumor als bösartig eingestuft wurde und daß die vergrößerten Lymphknoten eindeutig Metastasen des Tumors seien.
Das Aufwachen war super, ich fühlte mich immerhin schon so wohl, daß ich ein paar Anrufe machen konnte. Lisa kam so gegen 6 Uhr und ich machte den Vorschlag im Park spazieren zu gehen. Ich hatte noch die Trombosestrümpfe an und einen Behälter mit Wundflüssigkeit.
Lisa meinte , daß sie noch nichts gegessen hatte und so machte ich den Vorschlag in die Cafeteria zu gehen. Wir bestellten Apfelstrudel und Tee.
Das Schlucken ging relativ gut und ich hatte Apetit. Lauter gute Zeichen.
Etwas säter kam noch Sissy vorbei. Ich freute mich so, daß ich gleich aus dem Bett sprang und auf sie zuging.Wir gingen im Park spaziern, ich war recht froh über den Ausgang des Tages.
Montag, 30. Juni 2008
Probebiopsie
Ich sollte am Abend vor dem Eingriff in die Klinik kommen. Zu dem Zeitpunkt spielte die Türkei gegen Deutschland, Fußball EM Finale.
Ich habe es mir so eingerichtet, daß ich zum Schlußpfiff ankommen würde, um eventuelle Tumulte aus dem Weg zu gehen.
Die Vollnarkose war kein Problem und ich fühlte mich nach dem Eingriff wiederfit, so fit, daß ich nach Südtirol fahren konnte um eine Bergwanderung zu machen.
Freitag, 27. Juni 2008
Keine gute Nachricht
Nach ewigem Warten beim HNO Arzt, war ich endlich dran. Ich sagte ihm, daß ich den Befund vom CT noch nicht gesehen hätte und er sollte mir doch endlich sagen was Sache ist. Erst druckste er noch ein bischen herum um dann zu sagen, daß es eine Katastrophe sei. Er sprach von Metastasen und von einem Tumor.
Um sicher zu sein, daß er bösartig sei, müßte allerdings noch eine Biopsy gemacht werden. Ich hatte jedoch schon ziemlich die Nase voll, im wahrsten Sinne des Wortes und sagte Ihm, daß ich lieber in die Universitätsklinik gehen würde.
Immerhin suchte er mir noch die Telefonnummer des Professors der HNO Abteilung heraus.
Daraufhin fuhr ich etwas verstört in die Arbeit um ungestört zu telefonieren.
Meine Arbeitskollegen wunderten sich zwar, daß ich auftauche, nochdazu etwas verstört, doch zumindest konnte ich ungestört telefonieren. Zu erst vertröstete man mich auf nächste Woche, doch als ich den Befund vorlas, "v. a. Nasopharyxca und Lymphknoten mit 4cm Durchmesser,Verdacht auf Metastasen, sagte mir die Sekretärin nach Rücksprache, daß ich gleich vorbeikommen sollte.
In einer halben Stunde war ich dort und nachdem die Assistenzärzte und der Chefarzt sich der Sache angenommen hatten, wurde auch gleich ein Termin für eine Biopsy unter Vollnarkose und einer Operation eine Woche später festgelegt.
Keinegute Nachricht um das Wochenende zu beginnen.
Mittwoch, 25. Juni 2008
CT des Schädels und des Halses
Am Morgen beim rasieren viel mir auf, daß am Hals ein dicker Knoten war. Das Schlucken tat auch weh. Jedenfalls versprach es nichts gutes. Das CT sollte Aufschluss geben was da wohl dahintersteckt.
Nach dem CT wartete ich auf den Befund beim Chefarzt. Der druckste herum und meinte, daß die Auswertungen noch nicht abgeschlossen seien und daß ich morgen Früh beim HNO Arzt den Befund einsehen könnte.
Dienstag, 24. Juni 2008
Bei der Hausärztin
Gleich in der Früh ging ich zur Hausärztin. Irgendie war ich neugierig worum ich mich bei ihr melden sollte. Nach der üblichen Warterei war ich endlich dran.
Sie zeigte mir einen Brief vom Röntologischen Zentrum mit einen Befund und erklärte mir,daß es üblich sei, daß ein zweiter Arzt nochmal die Bilder anschaut und daß der zweite Arzt einen Verdacht auf einen Tumor geäußert hätte. Ein weiteres CT sei dringend erforderlich.
Montag, 23. Juni 2008
Vom Urlaub zurück
Auf der Rückfahrt hatte ich ziemlich Kopfschmerzen. Zum Mittagessen machten wir eine Pause in Innsbruck. In einem Gasthaus mit Gastgarten war es sehr gemütlich. Ich bestellte Erdäpfelblattln mit Sauerkraut, das hatte ich wirklich lange nicht mehr gegessen.
Am Abend, angekommen in Herrsching fand ich einen Brief von meiner Hausärztin vor, eigenartig dachte ich. Es stand lediglich darin, daß sie mich hätte versucht zu erreichen und daß ich mich doch bei ihr melden sollte.
Donnerstag, 19. Juni 2008
Urlaub
Ein altbewährtes Mittel, damit es einem wieder besser geht, ist auf Urlaub zu gehen. Gleich nach der Arbeit stieg ich in den Zug nach Bozen. Gar nicht so leicht noch einen Platz zu bekommen. In einem Sechserabteil erspähte ich noch einen freien Platz. Ich hatte mir ein Buch über Philosophien mit dem Titel "Wer bin ich und wenn ja wie viele" mitgenommen. Bereits in Rosenheim stiegen einige Leute aus, in Kufstein noch ein paar und jetzt konnte man es sich etas gemütlich machen. Mir gegenüber saß eine junge Frau die aus ihrer Tasche was zum Essen auspackte. Das sieht aber lecker aus bemerkte ich, sie sagte darauf, daß es nicht nur lecker aussieht sondern auch lecker schmeckt. Es war in Reisteig eingewickeltes Gemüße. Jetzt wurde ich aber neugierig. Sie verriet mir wo man so was leckeres bekommt, und zwar in einem Sushigeschäft am Marienplatz in München. Ich nahm mir vor bei nächster Gelegenheit dort vorbeizuschauen.
Sie ist gerade aus Den Haag gekommen wo sie sich mit Freunden getroffen hatte. Den Haag, das ist meine Lieblingsstadt, sagte ich. Wir sprachen über Scheveningen und dem Statenquartier wo ich immerhin 15 Jahre lang gewohnt hatte. Sie hatte in Eindhoven Architektur studiert und arbeitet jetzt in Innsbruck in einem Architekturbüro. Sie erzählte ein bischen von ihrer Arbeit und im nu waren wir in Innsbruck wo sie ausstieg.
Von innsbruck bis Bozen konzentrierte ich mich wieder auf mein Buch.
Ich wollte dann weiter zu meiner Schwester um am nächsten Tag mit ihr in die Toskana zu fahren.
Mittwoch, 18. Juni 2008
Bei der Heilpraktikerin
Die Nacken und Kopfschmerzen brachten mich dazu eine Heilpraktikerin aufzusuchen.
Nach dem üblichen Erstgespräch, legte ich mich auf die Behandlungsliege.
Sie war unter einer Art Kuppel plaziert. Die Heilpraktikerin beschäftigte sich nur mit meinen Füßen. Allem Anschein nach konnte sie so alles über meinen Körper erfahren.
Dann sagte sie; "ich muß es ansprechen, ich sehe den Tod, ist vielleicht jemand in ihrer Familie vor kurzem gestorben?"
Ich wunderte mich schon über diese Frage, ich hatte überhaupt keine Ahnung wie sie auf so eine Frage kommen konnte.
Sie nahm es sehr ernst und sagte daß ich laut und deutlich folgendes sagen sollte: "ICH ENTSCHEIDE MICH FÜR DAS LEBEN"
Anfangs war es nicht gerade leicht, das zu sagen, doch dann war es eine enorme Erleichterung.
Beim Psychiater
Am späten Nachmittag hatte ich einen Termin beim Psychiater.
Vielleicht hatte er eine Idee wie ich die Kopfschmerzen ohne Medikamente loswerden könnte. Ich erzählte ihm von der Arbeit, daß ich im letzten Monat mehr als üblich gearbeitet habe und die Kopfschmerzen vielleicht daher kommen würden. Ich zeigte ihm das MRT und ohne daß er den Befund gelesen hatte fiel ihm auf, daß das Kleinhirn überdurchschnittlich klein war. Er machte eine ähnliche Bemerkung wie schon der Röntgnologe. Dann untersuchte er Hals und Schultern und kam zum Schluss, daß es sich um arbeitsbedingte Spannungskopfschmerzen handeln würde. Er fragte mich was ich so in meiner Freizeit mache. Ich erzählte ihm, daß ich im April einen Monat unbezahlten Urlaub genommen habe und quer durch Spanien gewandert war. Das begann ihn jetzt wirklich zu interessieren.Er wollte wissen ob ich allein oder in einer Gruppe unterwegs war, wo ich übernachtet hatte, wie viel Gepäck ich mitgenommen hatte und wo ich die Wäsche gewaschen hatte. Ich wusste, daß im Wartezimmer noch jede Menge Leute warteten, deshalb schrieb ich ihm die Adresse meines Internetblogs "rolandcamino.blogspot.com" auf einen Zettel.
Ich bekam dann ein Rezept für Psychotherapie und ein weiteres für Massagen und Fangi.
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