Montag, 8. September 2008

24. Bestrahlung

Vergangene Woche erinnerte mich Fabio an ein Erlebnis, das ich schon fast vergessen hatte. An die Details erinnerte ich mich zwar nicht mehr, doch Fabio hatte in dieser Hinsicht das bessere Gedächtnis. Ich konnte mich zwar noch erinnern, daß wir im Sommer einen Fahrradausflug durch die Dünen nach Katwijk gemacht haben und dort einen Tempel besucht hatten, die weiteren Details muß ich wohl inzwischen vergessen haben. Ich kann mich noch gut erinnern, wie kurz vor Katwijk mitten in den Dünen ein sehr eigenartiges Gebaüde auftauchte. Wir hatten überhaupt keine Idee worum es sich bei dem Gebäude handeln würde. Vielleicht war es eine Pumpstation, vielleicht war es eine Wasseraufbereitungsanlage. Es hatte eine etwas eigenartige Kuppel, war aber ansonsten recht zweckmäßig gebaut.Um herauszufinden worum es sich handelte mußten wir uns das wohl näher anschauen. Vom Fahrradweg gab es zwar keinen direkten Zugang zu dem Gebäude, doch irgendie mußte man ja hinkommen. Wir fuhren also Richtung Katwijk. Von dort mußte es dann wohl eine Straße zurück zum Gebäude geben. Dort angekommen, sahen wir daß es sich nicht um irgendein technisches Gebäude handelte sondern um einen Sufi Tempel. Im Rahmen einer Sommerakademie wurden Seminare veranstaltet. Da wir schon mal da waren, wurden wir neugierig. Die Seminare waren auf Englisch und die Teilnehmer schienen von überall auf der Welt zu kommen. Wir fragten ob wir auch an einem der Seminare teilnehmen konnten. Das sei überhaupt kein Problem. Inzwischen habe ich auf Wikipedia Details über den Tempel und dessen Gründung gefunden. Fabio hat sich noch an den Sufi Gelehrten erinnern können. Ich zitiere was ich in Wikipedia üer den Tempel finden konnte: "Universal Sufi Temple: In 1922, during a summer school, Inayat Khan had a 'spiritual experience' in the South Dunes in Katwijk. He immediately told his students to meditate and proclaimed the place where he was on that moment holy. In 1969, a temple was built on that specific place, a Universal Sufi Temple. Every year, a Sufi summer school takes place in this temple, and many Sufis from around the world visit the temple each summer." Wir entschlossen uns an einem der Seminare teilzunehmen. Fabio erinnerte sich noch an das Seminar, es ging um das Sutra des Herzens, einer klassischen Budhistischen Schrift. Ich habe inzwischen in Wikipedia eine Deutsche Übersetztung des Sutras gefunden das ich hier wiedergeben möchte: Das Herzstück der Lehrverse über die Vollkommene Weisheit [1] Verehrt sei die totale Erkenntnis! Der ehrwürdige Bodhisattva [2] Avalokiteshvara [3], tief versunken im Reinen Gewahrsein [4], sah klar: "Die Fünf Persönlichkeits-Phänomene“ [5] sind ihrem Wesen nach leer [6](6); dies sah er (aus seiner erleuchteten Sicht). ( Was dies im einzelnen bedeutet, erklärt er dem Mönch Shariputra [7] mit den folgenden Worten ) Oh Shariputra, der physische Körper ist leer, leer ist ebenso jegliche Form; Erscheinung ist nicht verschieden von Leerheit, Leerheit nicht verschieden von Erscheinung; was Form ist, ist leer, was leer ist, ist die Form, und dasselbe gilt für Empfindung [8], Wahrnehmung [9], mental-emotionales Gedächtnis [10] und Objekt-Bewusstsein [11]. Oh Shariputra, alle Daseinsfaktoren [12] sind durch Leerheit gekennzeichnet: sie sind nicht entstanden, sind nicht anhaltbar, nicht verunreinigt, nicht geläutert, nicht mangelhaft und nicht vervollständigt worden. Deshalb, Shariputra, gibt es in der Leere [13] keine physische Gestalt, keine Empfindung, Wahrnehmung, mental-emotionales Gedächtnis oder Objekt-Bewusstsein; weder Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper noch Denk-Organ [14],nichts, was man sehen, hören, riechen, schmecken oder tasten kann, keine Daseinsfaktoren,keine Sehempfindungs-Elemente [15] und so weiter bis hin zu den kognitiven Bewusstseins-Elementen. (In der Leere gibt es) weder Fakten-Wissen noch Ignoranz [16], weder Wissens-Abbau noch Unwissenheits-Abbau und soweiter bis hin zu: weder Altern noch Sterben [17] noch Alters- und Todes-Aufhebung; kein Leiden: weder dessen Ursache noch dessen Beendigung und keinen Weg (der Befreiung vom Leiden) [18], kein Höheres Wissen, keine Bestrebungen [19]. Deshalb: nichts erstreben die Bodhisattvas, im Reinen Gewahrsein Zuflucht nehmend, sind sie frei von hinderlichen Gedanken.Von Gedanken nicht behindert, (daher auch) nicht beängstigt, die Verzerrungen (des Ego) überwunden habend, (weilen sie) zu guter Letzt im Ueberweltlichen SEIN.[20] (Obschon sie in den) „Drei-Zeiten“ [21] gegenwärtig sind, finden alle Buddhas im Reinen Gewahrsein Zuflucht, der unübertrefflichen, vollen Erleuchtung, der wahren SELBST-Verwirklichung. Deshalb sollte man [22] Kenntnis haben von der erhabenen „Beschwörungsformel[23] für das Reine Gewahrsein“, dem Mantra der Höheren Erkenntnis, dem unübertrefflichen, unvergleichlichen Mantra, das alles Leiden besänftigt.Dies ist die Wahrheit, keine Täuschung.Das im Reinen Gewahrsein verkündete Mantra lautet: „gate, gate, paragate, parasamgate--- BODHI--- svaha!“ „gegangen, gegangen,[24] ans andere Ufer gegangen, gänzlich hinüber gelangt-—ERWACHEN---aaah!“[25] Hiermit ist das Herzstück über die Vollkommene Weisheit vervollständigt. Das Seminar dauerte etwa 3 Stunden und auf dem Rückweg blieb noch genug Zeit für ein Gespräch über dieses Thema. Ich werde mich wohl heute bei der Bestrahlung damit nochmal auseinandersetzten. Gerne erinnere ich mich an den Tempel und das ungeplante Seminar. Danke Fabio!!

Sonntag, 7. September 2008

2. Sonntag im Krankenaus

Dieser Sonntag war etwas besser als letzter Sonntag was die Übelkeit btrifft. Trinken geht zwar nach wie vor nicht. Da muß ich eben noch Geduld haben. Meine Entscheidung keine weitere Chemo mehr zu akzeptieren gibt mir die Hoffnung am Ende der Strahlenbehandlung wieder mit Trinken und etwas Essen beginnen zu können. Ich kann ja nicht ewig an der Nadel ernährt werden. Jetzt geht es nur noch um den Willen durchzuhalten. Gestern habe ich den folgenden Text zugesand bekommen, wo es darum geht welche Stärke der menschliche Wille entwickeln kann:...................... STRENGHT AGAINST PAIN ........... Salaam my friend, I tell you a story about my strength against the pain and how I can put it away even in ultimate situations: I had a hobby with rollerskate dancing and figureskating. We also made some performances in clubs and this was in a casino. It was rock'n roll on wheels. You know that it is very difficult on shoes...but on wheels... OK it was the point where I pushed my son from between my legs backwards...and I notished that now my back broke I was in weird position...the son saw one second time to see my eyes and understood something is wrong...so he took more speed himself coming back and when he came from there I lofted him into air... jumped up myself too and we came down to the floor at the same time ... then we took a bow and the applauds and smiled...nobody notished anything and we went to the dressingroom and my son asked what happened...So I had to go to hospital BUT THE SHOW MUST GO ON...I collapse when I give myself permission. ..Your friend L---- Am Nachmittag wurde ich dann wieder auf die Probe gestellt, die Infusion lief nicht richtig, mir war wieder genauso schlecht wie die Tage zuvor. Die einzige Ablenkung war der Film "Das Leben der Anderen"

Samstag, 6. September 2008

2. Samstag im Krankenhaus

Samstags gibt es keine Behandlungen, weshalb viele Patienten das Wochenende zu Hause verbringen. So auch mein Bettnachbar. Ich habe dann übers Wochenende das Zimmer für mich allein. Dann beschäftige ich mich mit Filme anschauen und Leute anrufen. Heute habe ich mir eine Fernsehdokumentation zum Thema Shambala angeschaut. Andy hat die Sendung mal aufgenommen, auf seinen Datenstick (4GB) gespeichert, und mir den Datenstick ins Krankenhaus geschickt. In Wikipedia steht folgendes über Shambala: Nach einer Überlieferung übertrug Buddha Shakyamuni das Kalacakra-Tantra zunächst an König Suchandra von Shambala, da die Zeit noch nicht reif sei, das Kalacakra-Tantra unter den Menschen auf der Erde zu verbreiten. Dieser übertrug es an seine Nebenherrscher und deren Untertanen um das Reich Shambala zu einen. Das sagenumwobene Reich Shambala spielte folglich in der Verbreitung des Kalacakra-Tantra eine wichtige Rolle. Shambala soll ein Lebensbereich sein, der für spirituelle Entwicklung besonders günstig ist. Ob dieses sagenumwobene Reich auf der Erde zu finden ist, kann nicht mit letzter Gewissheit gesagt werden. Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso sagt über Shambala: "Gleichgültig ob Shambhala ein Ort irgendwo auf diesem Planeten ist, oder nicht, so kann er dennoch nur von denen gesehen werden, deren Geist und karmische Tendenzen rein sind." (Handbuch der tibetischen Astrologie) Der Fernsehbeitrag handelte von einem Mongolischem Mönch der das Reich Shambala finden wollte. Er wanderte nach Dharamsala um den Dalai Lama danach zu fragen. Von dort ging seine Pilgerreise weiter bis Benares (Varanasi) wo sein Ziel schon ganz nahe war. Der Baum der Erleuchtung in Bodhgaya wo Buddha erleuchtet wurde. Gegen Abend machte ich noch ein paar Telefonate. Um Kosten zu sparen, verwendete ich Skype. Wie ich die Kontaktliste durchging sah ich Angus online. Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen. Er hatte Lust auf ein kurzes Gespräch. Da wir auch noch Video verwendeten war er nicht wenig erstaunt als er mich im Krankenbett mit meinen Stoppelhaaren und eingefallenen Wangen sah. Das mußte ich ihm erst ein mal erklären. Er machte mir wirklich viel Mut und ich versprach ihm, daß wir uns spätestens im Oktober wieder sehen würden. Dann hatte ich einen ganz lustigen Skype Kontakt mit Südtirol. Selina hatte ihren Mac Notebook eingeschalten. Meine Mama und Moni waren auch da. Ich habe mich so gefreut die drei über Video zu sehen, daß ich wirklich viel gelacht habe. Wir waren in wirklich guter Stimmung.

Freitag, 5. September 2008

Freitag im Krankenhaus

Wie ich schon gestern angekündigt hatte, gab es heute keine Bestrahlung wegen den Wartungs arbeiten. Erfreut hatte mich ein Anruf von Rainer, daß in meinem Büro Privatpost angekommen war mit der Bemerkung "Bitte an Privatadresse weiterleiten" Ich bat Rainer den Umschlag zu öffnen um mir vorzulesen was drinnenstand. Es war eine Ansichtskarte. Er las mir den Text vor. Später machte er mir den Vorschlag die Karte zu scannen und als email zu schicken. Was für gute Idee. Danke Rainer!! Die Karte war von Stefan, mit dem ich im Qi Gong Kurs war. Wie gewöhnlich gingen wir dann gemeinsam zum Mittagessen. Dabei habe ich Stefan erzählt, daß ich wegen einer Krebsbehandlung ins Krankenhaus müsse und jetzt für längere Zeit nicht zum Kurs kommen könne. Wie schön, daß er sich an mich erinnerte und mir eine Ansichtskarte schickte. Danke Stefan!!!

Donnerstag, 4. September 2008

23. Tag der Bestrahlung

Heute hatte ich gleich zwei Termine in der Strahlentherapie. Einen um 9:30 and einen um 13:30. Deshalb gibt es heute zwei Geschichten zum erzählen. Dafür gibt es morgen keine Geschichte, da morgen die Bestrahlung wegen Wartungsarbeiten ausfällt. Es bleibt trotzdem bei den 35 Bestrahlungn, nur wird es insgesamt einen Tag länger dauern. Den Zähler werde ich noch anpassen. Beim ersten Termin wurden nur Einstellungen am Bestrahlungsgerät vorgenommen und Photos gemacht. Mir wurde wie üblich die Maske aufgesetzt und das Eintauchen in eine andere Welt konnte beginnen. Ich wachte in Sahagun auf.Es war der Nachfolgetag, von dem, den ich am 18.Tag der Bestrahlung beschrieben hatte. Also, ich hatte mit Nancy in einem Zweibettzimmer übernachtet.Die Betten waren sogar weiter von einander entfert als in den Schlafsälen üblich.In meinem Caminoblog schrieb ich nicht besonders viel über den Tag,es war der 18t Tag, das übernachten mit Nancy erwähnte ich nicht. Folgende paar Zeilen sind noch identisch mit dem Caminoblog. "Mitten in der Nacht fing mein rechtes Auge zu traenen an, erst dachte ich dass es vielleicht vom Peperoncino sei, den ich mir in das Auge gerieben haette, doch als ich in der Frueh in den Spiegel sah war das Auge ganz rot und ich konnte es kaum oeffnen. Ich hatte auch noch etwas Kopfschmerzen, obwohl ich am Abend davor kaum Wein getrunken hatte, ausser um auf den Camino anzustossen". Wie mich Nancy sah war sie ganz aufgeregt und sagte mir ich hätte eine Kinderkrankheit, sie kenne diese Krankheit von ihren Kindern. "its called pink eye". Ich sollte doch schnell in die Apotheke laufen und mir Augentropfen dagegen holen. Ich packte gleich meinen Rucksack und deponierte ihn in der Rezeption. In der Apotheke mußte ich zeigen was ich in meinem Spanischkurs gelernt hatte. Die Apothekerin stellte wahnsinnig viele Fragen um zu entscheiden ob ich zu einem Arzt gehen sollte oder nicht. Dann gab sie mir ein "Collirio" und erklärte mir wie es anzuwenden sei, wünschte mir buona suerte und ich ging erstmal Frühstückessen. In der Toilette versuchte ich das Mittel in mein Auge zu träufeln. Gar nicht so einfach. Kaum war ich mit der Pipette am Auge, schloss es sich reflexartig. Also mit einer Hand Auge aufhalten mit der anderen reinträufeln. Nicht ganz so einfach. Ich müßte wohl Nancy darum bitten es mir reinzuträufeln, sie hatte ja die Erfahrung mit ihren Kindern. Nancy ist über 65 und Großmutter. Ich dachte sie sei die Frau von Larry, einem Amerikaner, auch über 65, mit dem sie gemeinsam ging. Es regnete schon den ganzen Tag und der Weg war schlammig und schlüpfrig. Plötzlich ging es auch noch steil nach oben. Larry hatte Stöcke und schaffte die Steigung. Nancy rutsche immer wieder zurück. Sie war verzweifelt. In diesem Augenblick war ich gerade hinter ihr. Sie fragte ob ich anschieben könne. Ich hatte zwar auch keinen Halt doch versuchte es wenigstens indem ich an ihrem Rucksack schob. Da schrie sie, ich sollte doch nicht an ihrem Rucksack schieben, das nütze gar nichts, sondern an ihrem Hintern. Darauf sagte ich, daß ich doch nicht den Hintern fremder Frauen berühre. Darauf sie: "stell Dich nicht so an und schieb endlich am Hintern!!" Was blieb mir anderes übrig als kräftig anzuschieben. Und sie schaffte es! Ich hatte noch einige Mühe raufzukommen, doch irgendwie schaffte ich es. Im Alberge erzählte sie dann den Mitpilgern wie blöd ich mich wegen ihres Hintern angestellt hätte und die Geschichte machte die Runde. Ich habe mich entschieden den Zug von Sahagun nach Leon zu nehem, so konnte ich mich vom "pink eye" erholen. In dem Zustand zu gehen hätte mir keinen Spaß gemacht. Nancy wollte auch den Zug nach Leon nehmen. Wie sie das allein schaffen wollte war mir ein Rätsel. Also taten wir uns zusammen und waren von nun als "the lame and the blind", der Lame under Blinde bekannt. Wir nahmen uns ein und eine halbe Stunde um zum Bahnhof zu gehen. Unter normalen Umständen war es in 15 Minuten zu schaffen, doch mit Nancy dauerte es sicher eine Stunde. Zum Arzt wollte sie nicht, da er ihr wahrscheinlich Cortison und Bettruhe verschrieb und das wollte Nancy auf keinen Fall. Ihren Rucksack wollte sie auf jeden Fall selber tragen, obwohl es ein leichtes für mich gewesen wäre ihren mitzutragen. Noch dazu hatte sie eine Tasche von Lorenzo zu tragen, die er im letzten alberge vergessen hatte. Es waren nur Lebensmittel, vielleicht hat er sie auch absichtlich zurückgelassen, doch sie wollte die Tasche unbedingt mitnehmen. Allerding willigte sie ein, daß ich sie an ihrer Stelle tragen dürfte.Mit beiden Händen stützte sie sich am Stock und machte gerade mal einen Schritt vorwärts, dann wieder sich abstützen zum nächsten Schritt. Zum Glück ist Nancy unglaublich drahtig und zäh. Wir schafften den Weg in weniger als einer Stunde. Der Zug sollte vom ersten Bahnsteig abfahren, zumindest war es so angekündigt. Jedoch ganz kurz bevor der Zug einfuhr wurde der Bahnsteig geändert. Wir mußten also die Unterführung benutzen, also Stiegen hinunter Stiegen hinauf. Wie wird das Nancy wohl schaffen. Gestern ist sie noch auf allen Vieren die Treppe hinaufgekrabbelt, wie ein Baby. Doch mit ihrer Zähigkeit und ihrem Willen schaffte sie es. Der Zug war schon da wie wir uns bemühten die Treppe hoch zu kommen. Zur Sicherheit ging ich voran um die Türe offen zu halten, falls der Zug abfahren wollte. Sie schaffte es im letzten Augenblick, gab mir den Stock und ich zog sie an den Händen die Stufen hinauf. Dann schlossen sich die Türen. Den Camino vom Zug aus zu sehen war ganz und gar eine andere Perspektive. Wie langsam die Pilger nur vorankamen im Vergleich zu uns. Wir waren in 2 Stunden in Leon, wofür die meisten Pilger zwei Tage brauchten. Eine Spanierin mittleren Alters setzte sich ans Fenster uns gegenüber. Kurz vor dem Aussteigen kamen wir mit ihr ins Gespräch. Sie war aus Leon. Wir fragten sie ob sie wise, welche Pilgerherbergen es in Leon gäbe. Sie kannte sich bestens aus, beschrieb uns die Abergues und verriet uns ein Nonnenkloster die auch Pilger aufnehmen würden. Ob ich da wohl auch willkommen sei fragte ich mich. Angekommen in Leon namen wir uns ein Taxi zum Nonnenkloster, das zwar nicht allzu weit entfernt war, sicher in einer halben Stunde zu schaffen, allerdings unter normalen Umständen. Das Kloster war in der Altstadt wo nur Taxis zugang hatten. Der Weg ar mit etwa einen halben Meter hohen runden Pfosten mit etwa 30 cm Durchmesser abgesperrt, die sich Mittels Fernsteuerung in den Boden versenken ließen. Nur daß die Fernsteuerung unseres Taxifahrers nicht funktionierte. Er mußte in der Zentrale anrufen, und irgendwann senkten sich dann die Pfosten. Das Nonnenkloster war nur um die Ecke, doch wenn wir uns schon ein Taxi leisteten, dann wollten wir auch bis vor die Haustüre gebracht werden. Das Nonnenkloster hatte nur Zweibettzimmer. Wir hatten ja schon die Erfahrung gemacht uns das Zimmer zu teilen, so nahmen wir das Zweibettzimmer dankend an. Es war luxuriös, sehr, sehr ruhig und hatte eine Badewanne und eine Toilette im Zimmer. Die Betten waren hintereinander mit einer Seite an der Wand. Ich legte mich aus Bett und ließ mich von Nancy verarzten. Wie bei meine Mutter, so kam es mir vor. Ich fühlte mich richtig geschützt durch sie. Und sie hatte ja die Erfahrung von "pink eyes" mit ihren Kindern. Am Abend ging ich mit Nancy noch zur Plaza Major, die nicht sehr weit entfernt war. Dort gab es ein Türkisches Restaurant. Es gab türkische Pizza und Falaffel. Ich gönnte mir beides. Die Falaffel waren ausgezeichnet und die türkische Pizza war besser als manche italienische. Jedenfalls waren reichlich Zutaten drauf die hervorragend schmeckten. Die Nacht war unglaublich ruhig, wir versuchten einander so wenig wie möglich zu stören und hatten beide eine sehr erholsame Nacht. Die Einstellungen waren beendet und die Fotos gemacht. Es hat etwas länger gedauert als geplant, da der Chefarzt nich gleich bei der Hand war, mir wurde kurz die Maske mal abgenommen, damit ich nicht an Beklemmungen leiden würde, so der Assistent. Jetzt hatte ich gerade mal noch ein paar Stunden um mich auszuruhen bis die Strahlenbehandlung dran war. Gestern hatte ich noch einen ganz lieben Kommentar von Daniel bekommen. Er erinnerte mich an unsere Zeit in Tokyo. Was war naheliegender als während der Strahlenbehandlung an einen Tag in Tokyo zu denken? Es war ein Samstag, Lisa war schon auf dem Rückflug und ich war wieder allein. Am Freitag erzählte sie mir von ihrem Ausflug nach Kamakura, die alte Kaiserstadt am Meer. Erstaunlich wie sich Lisa allein in Tokyo zurechtfand. Ich hatte da so meine Schwierigkeiten mit der Orientierung. Sie fand den Weg ins Hotel sofort und mußte ihr nur folgen. Damit ich mich bei meinen ersten Arbeittag nicht verlaufen würde ging sie am Abend zuvor mit mir den Weg vom Hotel zur Arbeit, es waren etwa 20 Minuten zu laufen, doch verirren konnte man sich leicht. Lisa liebte die Sauberkeit in Tokyo. Am meisten beeindruckte sie die Zuvorkommenheit der Japaner und wollte mir gleich beweisen wie zuvorkommend sich die Autofahrer in Tokyo benehmen. Wir gingen eine vielbefahrene Straße im Zentrum entlang. Sie sagte, sie wäre imstande den ganzen Verkehr aufzuhalten indem sie nur einenen Fuß um 90 Grad drehen würde und Richtung Fahrbahn einen Schritt machte. Das wollte ich allerdings sehen und staunte nicht wenig. Lisa drehte sich Richtung Fahrbahn, die Autofahrer bremsten, jetzt mußten wir wohl die Fahrbahn überqueren, denn einen Scherz konnten wir uns nicht erlauben. Wir konnten, so wie im alten Testament wo Moses das Meer mit seinem Stock geteilt hat, die Straße überqueren und bedankten uns mit Handzeichen. Ach, ich schweife vom Thema ab. So viele Erinnerungen haben sich an Tokyo geknüpft. Also Lisa erzälte mir von ihrem Tagesausflug nach Kamakura. Es sei überhaupt kein Problem dort hin zu kommen,beschrieb mir den Weg zum Bahnhof in Tokyo, sagte mir welchen Zug ich nehmen sollte und wo ich aussteigen sollte. Dann erzählte sie mir von den Tempeln in der Nähe von Kita Kamakura und von einem Wanderweg, der von Kita Kamakura über einem Berg nach der Stadt führt. Der Wanderweg sei nur teilweise in Römischer Schrift gekennzeichnet. Lisa fand jedoch heraus, was "The Great Buddha" auf Japanisch heist und merkte sich das Schriftzeichen. Sie zeichnete mir das Schriftzeichen auf so daß ich es mir merken konnte. Der Große Buddha sei schon in der Stadt, dort gäbe es dann auch einen Bahnhof von dem die Züge zurück nach Tokyo fuhren. Ich würde entlang des Weges an vielen Tempeln entlang kommen und an eine Stelle wo sich ganz viele Katzen mit extrem kurzen Schwäntzen aufhielten. Ich sollte doch meinen Arbeitskollegen aus Kamakura fragen ob man dort den Katzten die Schwäntze abschnitt. Ich habe die Katzen dann auch wirklich gesehen. Sie wurden gerade gefüttert und waren sehr wohlgenärt, und wurden mit Liebe behandelt. Der Arbeitskollege erklärte mir, daß es nur eine bestimmte Rasse von Katzen sei, die mit Stummelschwänzen geboren würden. Ich schweife schon wieder vom Thema ab, das kann ja noch lange dauern bis ich zu einem Ende komme. Einfach weiterscrollen, den schräg gestellten Text überfliegen, dann kommt man zum Ende. Also, ganz so einfach war es für mich nicht. Erst verirrte ich mich etwas auf dem Weg zum Bahnhof, dann am Bahnhof selber, bis ich endlich den richtigen Zug fand. Aussteigen war kein Problem, die Station wurde auf Englisch angesagt.Erst schaute ich mir, wie von Lisa empfohlen die Tempel links der Bahn an, dann überquerte ich den Bahnübergang um auf die rechte Seite zu gelangen. Nach vier oder fünf weiteren Tempelbesuchen finde ich den Wanderweg nach Kamakura. Erst geht es noch an ein paar Tempeln mitten im Wald vorbei, dann geht der Weg steil nach oben. Die Wurzeln der Bäume entlang des Weges bilden ein dichtes Geflecht. Die ganze Zeit laufe ich über Wurzel und wieder Wurzeln. Ich komme an den Ort mit den Katzen von dem Lisa mir erzählt hat. Ein Mann mit zwei Plastiktaschen füttert sie und achtet darauf, daß jede Katze ihren Anteil bekommt. Die Schwänze der Katzen sind wirklich extrem kurz. Jetzt geht der Weg den Bergrücken entlang.Die Stadt ist in der Ferne zu sehen und am Horizont glaube ich das Meeer zu erkennen. Die Wegbeschilderung wird spärlicher. Es gibt sie nur noch auf Japanisch. Ich erkenne das Zeichen für den großen Buddha das mir Lisa gezeigt hatte und folge ihm bis der Weg hinunter in die Stadt führt. Es ist mittlerweile schon später Nachmittag. Noch ein paar Tempelanlagen, dann tauchen die ersten Häuser auf. Auf einem Haus steht ein Namensschild, der gleiche name wie die meines Japanischen Kollegens aus Kamakura. Solte das ein Zufall sein? Ich wage jedoch nicht zu klingeln und gehe weiter bis ich zum großen Buddha komme. Enorm beeindruckend diese Statue. Sie ist aus Bronze, ziemlich verwittert da sie jetzt im Freien steht und um die 13 Meter hoch. Im 15 Jahrhundert wurde der Tempel in dem sie früher stand von einer Tzinamiwelle weggefegt.Seither steht die Statue im Freien. Ich ging noch Richtung Meer und fuhr mit einer art Straßenbahn ins Zentrum, wo der JR Bahnhof ist. Wie ich ein Ticket lösen wollte, sprach mich eine Frau an, fragte wohin ich fahren wolle, ich sagte Tokyo, daraufhin gab sie mir ein Ticket und sagte, daß ich damit bis Tokyo fahren könne. Sie brauche das Ticket nicht mehr. Ich wollte es ihr bezahlen, doch sie nahm kein Geld an. Ich bedankte mich recht freundlich und sie wünschte mir eine gute Reise. Der Zug fuhr allerdings erst in zwei Stunden ab, zumindest der direkte Zug nach Tokyo. Es blieb noch Zeit führ ein Abendessen. In der Nähe des Bahnhofs fand ich ein indisches Restaurant. Das wollte ich ausprobieren. Das Essen war köstlich. Die Rückfahrt war reibungslos. Ich fand sofort die U-Bahn zu meinem Hotel. Ein wirklich langer und intensiver Tag neigte sich dem Ende. Danke Daniel, daß Du diese Erinnerung durch Deinen Kommentar, in mir wachgerufen hast. Ich war wieder mal froh die Strahlenbehandlung hinter mir zu haben und ging gleich in den Park. Allerdings war ich noch immer an der Infusion angehängt und so war es schwierig mit dem Gestell durch den Park zu gehen. Das geklappere des Gestells mit den kleinen Rädern geht einfach auf die Nerven, und so ging ich gleich wieder zurück um mich ins Bett zu legen. Später, als die Infusion durchgelaufen war und Lisa zu besuch kam machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang.

Mittwoch, 3. September 2008

22. Tag der Bestrahlung 5. Chemo

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Heute bin ich wieder mit der Chemo dran. Gerade jetzt wo es mir gelingt wieder ein paar Schlucke Tee, Kaffee und Energiedrink zu machen. Was sein muß, muß sein! Lisa kam heute kurz vor der Bestrahlung auf Besuch. Beim Verabschieden fragte sie mich ob ich denn schon ein Bild hätte an das ich wärend der Bestrahlung denken würde. Bis jetzt hatte ich noch keins, doch es würde mir sicher was einfallen in Zusammenhang mit Lisa. Die Maske ist schon ein richtiges Kunstwerk geworden. Die Assistentin versicherte mir, daß ich sie mit nach Hause nehmen dürfte. Bis jetzt wurde der gesamte Hals und Nasenbereich eher großflächig bestrahlt. Ab nächster Woche nur mehr der Bereich in dem sich der Tumor befindet, das heist, daß die gleiche Strahlenmenge von 2 Gray nur mehr auf den Tumor ausgerichtet ist. Dann muß er endgültig daran glauben. Die Strategie ist ja unglaublich ausgetüftelt. Die Maske wurde mir aufgsetzt und schon entstandeen die ersten Bilder in meinem Kopf. Lisa und ich waren gerade in Bologna gelandet.Es war Donnerstag Abend und wir wollten ein verlängertes Wochenende in Anghiari verbringen. Am Freitag um 8Uhr morgens hatte ich einen Termin beim Bauamt in Arezzo. Es ging darum wie und ob wir unsere Ruine in den Bergen oberhalb von Arezzo wieder aufbauen dürften. Wir hatten kurzerhand, statt uns ein neues Auto zu kaufen, an einem fast unzugänglichen Platz in den Bergen zwischen Anghiari und Arezzo eine Ruine gekauft, ohne die Sicherheit zu haben, daß wir eine Baugenehmigung bekommen würden. Wir waren pünktlich gelandet und nahmen ein Taxi zum Hauptbahnhof. Wir mußten noch Geld vom Bankomat abheben und die Fahrkarten kaufen. Am Bahnhof angekommen, viel uns gleich auf, daß irgendwas nicht stimmte. Tatsächlich, es war mal wieder Zugstreik. Da hätten wir uns nicht so beeilen müssen, denn jetzt kann es länger dauern bis daß ein Zug nach Arezzo fahren würde. Wir müßten wahrscheinlich in einem Hotel übernachten und dann morgen um 4 Uhr früh einen Zug nach Arezzo nehmen um pünktlich zum Termin zu erscheinen. Wir gingen von Hotel zu Hotel in Bahnhofsnähe, um nach einem Zimmer zu fragen. Doch das hatten viele Reisende vor uns auch schon getan. Es war kein Zimmer aufzutreiben. Was blieb uns denn anderes übrig als auf den Bahnhof zurückzugehen um zu schauen wann eventuel ein Zug nach Firenze gehen würde um unser Glück dann dort zu versuchen. Erst gegen Mitternacht fuhr ein Zug nach Firenze. Das wars, Anschluß nach Arezzo gab es keinen mehr. Wir machten das beste daraus, gingen in ein Restaurant zum Abendessen um dann auf den Zug zu warten. Der kam dann auch tatsächlich. Er war nicht gerade voll. Wer wollte denn schon um Mitternacht nach Firenze Campo di Marte? Gegen halb zwei Uhr Morgens kamen wir in Firenze an. Jetzt ein Hotel zu suchen machte auch keinen Sinn, der Zug nach Arezzo war für ungefähr 5 Uhr vorgesehen. Die Bahnhofshalle war noch ziemlich voll, die Warteraüme ebenso. Es war jedoch noch angenehm warm und es gab auf den etwas entfernten Bahsteigen noch ein paar Bänke. Wir verwendeten die Reisetaschen als Kopfkissen und legten uns engumschlungen auf die Waretbank. Wir mußten uns aneinander festhalten um nicht runterzufallen. Da wir schon sehr müde waren vielen wir beide in Schlaf. Wir hatten tatsächlich 3 Stunden geschlafen. Geweckt wurden wir von einem Verkäufer der brüllte: Caffé espresso Coca Colaaa. Caffé das war das Stichwort für Lisa, sie winkte ihn zu uns herüber. Welch ein Luxus, wir bekamen das Frühstück ans Bett serviert! Wir fühlten uns super! Vielleicht noch nicht ganz ausgeschlafen, doch ein angenehmes Gefühl im Bauch. Nach dem Café und Briosh kam dann auch der Zug. Alles ging gut, ich präsentierte mich frisch geduscht und neu eingekleidet auf dem Bauamt der Gemeinde Arezzo. Dort angekommen, wurde ich aber bitter enttäuscht. Der Beamte hatte den Termin einfach abgesagt und ich sollte im Sekretariat doch nach einem neuen Termin fragen. Die Bestrahlung war zu ende, ging relatif schnell, nur so um die 20 Minuten. Zurück im Zimmer wurde ich an Vorwässerung, 2 Liter Flüssigkeit und dann an die Chemo gehängt. Nach der Chemo sind wieder zwei Liter Flüssigkeit zum durchspülen der Nieren angesagt. Das übliche Fitness Programm, alle viertel Stunde aufstehen um auf die Toilette zu gehen.

Dienstag, 2. September 2008

21. Tag der Bestrahlung

Heute um 10:00 hatte ich einen Termin zum Anzeichnen der Felder auf der Maske. Das dauert um einiges länger als eine Bestrahlung. Dabei ist man genau so wie bei der Bestrahlung mit der Maske am Behandlungstisch festgeschnallt. Anstelle der Bestrahlung werden Fotos gemacht und Linien auf der Maske angezeichnet. Diese Linien bestimmen die Strahlungsfelder. In meinem Fall gibt es außergewöhnlich viele Felder. Deshalb dauert das Anzeichen dann auch entsprechend lange.Die Assistentin hat mich vorgewarnt, daß es lange dauern wird. Ich sollte mich doch an was schönes erinnern und entspannen, sagte sie nachdem sie mir die Maske afgesetzt hatte. Mir kam der erste Tag des Camino in den Sinn. Ein Tag an dem ich mich noch besonders gut erinnern kann. Er begann in Bayonne. Ich hatte in einem Hotel ganz in der Nähe des Bahnhofs übernachtet. Aufgeweckt wurde ich durch die Zugansagen, die man bis ins Hotelzimmer hört. Es war alles andere als ein Luxushotel. Doch immerhin hatte ich ein Zimmer für mich alleine und sogar ein eigenes Bad, nur die Toilette war am Gang. Ich wollte mir noch den Luxus eines Bads gönnen, denn in den nächsten 35 Tagen gab es wenig Aussicht darauf. Laut Auskunft am Bahnschalter, ich war noch getern Abend dort, sollte es erst am späten Nachmittag einen Zug nach St.Juan Pied de Port geben. Auf die Bahnauskunft vertraute ich doch nicht so recht, da ich vor meiner Abfahrt aus München im Internet eine Zug um 8 Uhr früh gesehen hatte. Gegen 7 Uhr ging ich schon zum Bahnhof. Was für gute Idee nicht auf die Bahnauskunft zu vertrauen, es war ein Zug um 8 angesagt. Nun mußte ich nur noch eine Fahrkarte bekommen. Es gab einige Automaten. Der erste akzeptierte nur Kreditkarten, jedoch nicht die meine, der zweite dann war auch mit Bargeld zufrieden. Es gelang mir tatsächlich eine Fahrkarte zu bekommen. Dann war Frühstück angesagt. Ich bestellte reichlich. Frisch gepressten Orangensaft, Schokocroissant und Capuccino. Am Gleis 1 stand bereits der Zug nach St. Juan Pied de Port. Vor daß ich einstieg wollte ich mich noch vergewisseren, daß ich in den richtigen Zug einstieg und fragte einen Herrn mit Baskenmütze. Es stellte sich heraus, daß es wohl kein Franzose war sondern Deutscher, wie er versuchte mir eine Antwort zu geben. Ich sagte, daß ich auch Deutsch sprechen würde. Aber an der Sprache lags wohl nicht. Er wußte selber nicht ob es der richtige Zug war und wartete lieber, bis der Zug angesagt würde. Ich stieg dann trotzdem ein und er folgte mir. Wir saßen zwar im gleichen Abteil, doch bis St. Juan viel kein Wort. Der erste Weg in St. Juan war ins Pilgerbüro um das Credential zu bekommen. Ich bekam das wichtige Dokument, mußte es ausfüllen, meinen ersten Stempel und eine Plastikhülle. Der Pilgerbetreuer sagte mir noch, daß ich auf keinen Fall die Route Napoleon gehen dürfte, das sei Lebensgefählich und eine Karte mit der Alternativroute, wünschte mir viel Glück. Das Credential sollte ich immer griffbereit haben und mir keine Sorgen machen, das Credential könne man nicht verlieren. Vor daß ich die Stadt verließ gönnte ich mir noch ein zweites Frühstück. Eine Gruppe Österreicher, offenbar auch Pilger saßen mir gegenüber. Die waren am Weintrinken am hellen Vormittag. Die sollte ich später noch öfter begegnen und mich immer wieder wundern, wie die mit ihren Bäuchen und für meinen Geschmack zu viel Alkohol, den Weg wohl schaffen würden. Doch sie waren immer dabei, bis am letzten Tag vor Santiago. Erst da beichteten sie mir ihr kleines Geheimniss. Beim Stadttor angekommen entschied ich mich noch kurz in die Kirche zu gehen. Ich hatte das Gefühl Gottes segen bekommen zu haben. Aber nun schleunig los, es war eine lange Etappe von über 30 Km und es war schon 11 Uhr am Vormittag. Trotzdem fühlte ich mich wie an einem Sonntag, auf einem Sonntagsspaziergang. Der Rucksack war leicht, Proviant hatte ich noch keinen und ich ging frohgemut aus der Stadt, die Hände in den Hosentaschen ging ich fröhlich bergauf. Oh da machten zwei Pilgerinnen gerade rast. Die eine war mit ihrem recht schweren Rucksack beschäftigt, die andere winkte mir fröhlich zurück. Eigenartig, auf den Steigungen überholte ich die anderen Pilger ganz locker, ich mußte wohl doch eine gute Kondition haben. Gegen ein Uhr Mittag kam ich durch ein Dorf mit einem Supermarkt und Restaurant. Ich bestellte einen Liter Wasser, erst ein Sandwich, dann überbackene Calamari und Pommes Frittes. Es war zwar etwas viel, doch Enerie war ja nötig, bis zum pass waren es sicher noch 20 KM. Ich sah den Deutschen mit Baskenmütze vorbeimarschieren, der ein langes Baguette am Rucksack festgemacht hatte. Im Supermarkt, versorgte ich mich mit ein Liter Wasser, ein frisches Stück Brot das gerade aus dem Backofen kam, etwas Käse und ein paar Nüssen. Das müßte auf jedenfall bis zum Abend reichen. Auf einer Steigung holte ich wieder mal zwei Pilger ein. Es waren Horst und Melanie, mit denen ich dann 35 Tage Später die Ankunft in Santiago feiern sollte. Den Herrn mit der Baskenmütze, der nicht sehr gesprächig war begegnete ich immer wieder. So weit, daß wir uns gegenseitig vorstellten kam es nie. Erst ganz zum Schluß, kurz vor Santiago erfuhr ich daß er Eugen heist. Unterwegs schimpfte er immer wieder über die Spanier und den Weg. Einmal erzählte er daß er in einer Bar nicht bedient worden ist. Er war dermaßen erbost darüber, daß er sagte: "Den Laden kauf ich mir noch und dann werde ich Ihn niederbrennen bis nichts mehr von ihm übrig ist. Ein andermal kam er mit dem Statement:"Ich werde den König von Spanien verklagen wegen Irreführung der Pilger". Meine letzte Begegnung mit ihm war die lustigste. Er behauptete daß Spanische KIlometer verschieden von den Deutschen sind und zwar seien sie kürzer um die Pilger zu täuschen. Einer von den Österreichern war auch dabei und bestätigte seine Aussage. Um es zu untermauern zeigte er mir seine sehr detailierte Landkarte mit den Kilometerangaben. Dann lüftete er mir sein Geheimniss. Die Österreichische Gruppe hatten einen Bus mit dem sie bis zu 3 Kilometer an die Herbergen heranfuhren, dann ausstiegen und sich wie normale Pilger den Herbergen zu nähern. Der Fahrer, der im Bus übernachtete holte sie dann wieder 3 Kilometer nach der Herberge ab. Das war also das kleine Geheimniss. Irgendwann holte ich wieder mal Horst und Melanie ein und wir gingen ein Stück gemeinsam. Horst meinte, das sei eigenartig, daß jetzt Pilger am Strasenrand ihre schläfchen machen.Mir ahnte etwas. Als wir näher kamen, sahen wir, daß der Pilger gar nicht schlief, sondern einen ziemlich zermürbten Eindruck machte. Er sagte, daß er keine Ahnung habe wie er wohl weiterkommen könnte, er hätte einen Krampf und könne unmöglich noch einen Schritt machen. Melanie packte ihren Rucksack aus um nach einem Krampflösenden Mittel zu suchen. Ich konnte nicht weiter helfen und machte mich wieder auf dem Weg. Zum Glück sah ich am Abend in der Herberge sowohl Horst und Melanie als auch den Pilger vom Straßenrand. Er war glücklich angekommen. Anscheinend sind sie von einem Auto mitgenommen worden. Der Pilger vom Straßenrand stellte sich mir als Carlos aus Brasilien vor und war dann immer gut gelaunt. Das einzige Problem mit ihm war, daß er laut schnarchte es aber nie zugab. Ich jedoch mußte den ganzen Weg zu Fuß laufen, und er war sehr beschwerlich. Es ging durch einen tiefen Wald wo es noch viel Schnee gab. Jeder Schritt war mühsam im Schnee und es wurde schon bald dunkel. Irgendwann lichtete sich dann der Wald und die Passhöhe konnte man erahnen. Dort sollte es das Rolandsdenkmal geben, dem Ritter Roland zuehren, der das Leben Karls des Großen gerettet hatte indem er sein Leben geopfert hatte. Der Wind war allerdings schon so stark und es wurde auch immer dunkler und kälter, daß ich gar nicht nach dem Denkmal suchte sondern mich beeilte den Pass zu überqueren. Ich wollte dort nicht so wie der Held Roland enden. Endlich kam das Kloster Roncesvalles in Sicht. Ein riesiger Bau. Das Pilgerbüro hatte noch offen und ich bekam meinen zweiten Stempel in das Credential.Die beiden Pilgerinnen die ich kurz nach St. uan Pied de Port überholt hatte waren auch schon da. Die ältere von den beiden, fragte ich in meinem besten Spanisch wo es denn zur Herberge ging. In einem excellenten Spanisch erklärte sie mir den Weg. Ich sollte die beiden später noch kennenlernen, Antje und Sandra aus Hamburg. Antjee sprach so gut Spanisch weil sie viele Jahre in Santiago de Camostella gewohnt hatte. Die Herberge, ein riesiges Gebaüde, das einer Kirche glich war nicht zu übersehen. Ein riesiger Schlafsaal war im Kirchenschiff untergebracht. Von der Decke hingen zwei enorme Kandellaber mit an die Fünfzig Arme wo die Glühlampen angebracht waren. Der Raum war gefüült mit Stockbetten, sehr eng aneinander gereit. Es war gerade noch Platz für einen Schreibtisch wo man sich anmelden mußte. Die Leitung hatte eine Gruppe von Holländern, die nachdem ich ihnen das Credential gezeigt hatte wo sie meine Italienische Nationalität notierten, nicht wenig erstaunt waren als ich mich mit ihnen auf Holländisch unterhielt. Vor, daß sie mir das Bett zuteilten schickten sie mich noch zur Pilgermesse. Nach der Messe wurden die Anzahl der Pilger aus den verschiedenen Nationen vorgelesen, ich war natürlich nicht dabei, da ich ja erst ganz zum Schluß ankam.Der Priester bat dann die anwesenden Pilger einzeln zum Altar zu kommen um den Pilgersegen zu empfangen. Nach der Meese luden mich dann Horst und Melanie zu einem Bier ein. Sie hatten sich für das gemeinsame Pilgerabendessen angemeldet. Mir war nicht nach Abendessen zumute, lieber hatte ich eine Dusche und ein Bett um mich auszuruhen. Die Duschen waren im Kellergeschoss. Dort gab es auch einen großen Tisch an dem ein paar Pilger saßen. Dahinter waren kleine Tischchen mit Internetautomaten. Man mußte einen Euro haben um ins Internet zu gelangen.Ich hatte kein Kleingeld. Am Tisch fragte ich eine sehr sympatische Frau ob sie einen Euro hätte. Ein junger Bursche kam ihr jedoch zuvor und wechselte mir das Geld. Ich hatte gerade mal zwanzig Minuten um über den ersten Tag zu schreiben.Allerdings war ich so müde, daß ich gerade mal schrieb in Roncesvalle angekommen zu sein und den Tisch hinter mir mit den Pilgern erwähnte. Erst heute hatte ich die Gelegenheit, den Tag nochmal bis in alle Einzelheiten zu beschreiben. Falls es einigen uninteressant scheint, einfach den Kursivteil hinunterscrollen. Die Maske wurde mir jedoch noch immer nicht abgenommen. Ich kam mir wieder mal vor wie jemand der den Gipfel erreichen will und einfach nicht aufgeben kann. Trotzdem, die Zeit verging nicht. Ich dachte an die schöne Maske, die man mir am Ende der Behandlung mitgeben würde. Ich kam auf die Idee ein Kunstwerk zu schaffen. Auf der Maske würde ich zusätzlich zu den Strichen noch 35 Punkte anbringen, die Berührungsempfindlich wären. Tippt man mit dem Finger auf einen der Punkte, dann würde an einem Bildschirm eine Geschichte erscheinen. Zu jedem Bestrahlungstag eine Geschichte. Der Name des Kunstwerks würde "Dreammask" sein. Die Geschichten könnte ich vom blog verwenden. Ich überlegte sogar die Details, wie Berührungssensor und Microcomputer der den Bildschirm steuert.Irgendwann hörte ich die Stimme, daß es nicht mehr allzu lange dauern würde. Mein Kopf schmerzte da er in durch die Maske in die Schale hineingepresst wurde.jetzt hat Aufgebensowieso keinen Sinn mehr und so hielt ich bis zum Schluß durch. Es muß wohl über eine Stunde gewesen sein und nicht 20 bis 40 Minuten. Man versicherte mir, daß es das letzte Mal war, daß so eine langwierige Anzeichnung der Felder notwendig war. Jetzt hatte ich noch gerade mal zwei Stunden um mich zu erholen, bis dann die Strahlenbehandlung gemacht wurde. Für die Strahlenbehandung hatt ich jedoch kein Bild parat. Da viel mir ein was mir meine Schwägerin, die Karin in einer email geschrieben hatte. Hallo Roland Habe heute die letzten Behandlungstage deines blog gelesen. Interessant, dass du immer in deine Vergangenheit und Kindheit abtauchst, wenn du chemo oder Bestrahlung hast. Eine schöne Kindheit gibt einem auch sehr viel Kraft. Aber ich habe das Gefühlt, Du denkst zu viel an die Vergangenheit! Solltest Du Dir nicht auch Zukunftpläne schmieden und neue Ziele stecken? Oder hast du im Augenblick dazu noch keine Kraft. Ich wünsche Dir, dass du auch wieder nach vorne siehst und damit auch wieder neue Energie gewinnst. Bis bald Karin Karin hatte recht! Jetzt an die Zukunft denken war angesagt. Ich stellte mir vor wie ich mich nach den Behandlungen erholen würde. Ich stellte mir die Erleichterung vor, wie nach einem Zahnarztbesuch, der zu Ende war. Nicht mehr am Tropf zu hängen, mit Yoga und Qi Gong weiterzumachen und wieder erste kleine Wanderungen zu machen. Zum Schluß eine Wallfahrt von Wien nach Mariazell zu gehen und sei es auf Etappen. Ich stellte mir vor, vollständig gesund zu sein. Die Bestrahlung war im nu vorbei, ich konnte jetzt wieder etwas in den Park hinaus. Am Nachmittag hatte ich dann Besuch der Dame von der Seelsorge. Ich bedankte mich für die CD, die sie mir zukommen ließ. Es war eine CD von einer Harfenspielerin aus München und einem Englischen Geiger mit dem Thema "Camino de Santiago". Die Harfenspielerin kannte sie persöhnlich. Sie erzählte, daß diese Musikerin mit ihrer Harfe den Camino machen wollte. Die Harfe hat man ihr jedoch im Auto mitgenommen. Allerdings wurden die regelmäßigen Konzerte ihr zu viel und so machte sie den Rest des Camino ohne Instrument. Die Seelsorgerin erzählte mir, daß sie morgen mit ihrem Mann nach Jerusalem fahren würde. Sie würde mir dann nach ihrer Rückkehr von der Reise erzählen. Der Rest des Nachmittags verging mit blog schreiben.

Montag, 1. September 2008

20. Tag der Bestrahlung

Gestern hat Markus bei mir angerufen, er war gerade aus Indien zurück. Heute waren meine Gedanken auf Südindien ausgerichtet. Auf meinem Notebook fand ich dann auch meine Aufzeichnungen die ich in Südindien gemacht hatte. Ich habe sie kurzerhand auf den blog kopiert: Ich wartete auf einen Bus nach Mysore. Der Bus schaute von außen recht schick aus im Vergleich zu den Bussen mit Gittern statt Fenster. Viel bequemer war er jedoch nicht. Es waren noch zwei Deutsche im Bus die nach Mysore wollten. Bis Mysore waren es 14 Stunden, da kann man schon mürbe werden bei den vielen Schlaglöchern und dem indischen Fahrstiel. Bis Udupi waren es knapp 5 Stunden. Warum wollte ich denn nach Udupi? Das erste Mal hörte ich den Namen Udupi vor zwanzig Jahren, als ich Markus in Bangalore besuchte. Er war von Udupi nach Chennai, damals hieß es noch Madras, unterwegs. In Bangalore hatte er gerade einen Zwischenstopp gemacht und musste auch gleich weiter. Ich hatte einen Tag zuvor in Mahabalipuram einen Bus nach Bangalore gesehen. Mir viel ein, dass ich vor einigen Jahren von Markus eine Adresse in Bangalore bekommen hatte und war mir plötzlich ganz sicher, dass ich Markus in Bangalore treffen würde. Ich fragte den Fahrer wann er denn nach Bangalore fahren würde. Um 8 Uhr abends würde er abfahren und dann am nächsten Tag um 7 Uhr in Bangalore ankommen. Ich hatte zwar gerade meine Wäsche gewaschen und ein angenehmes Zimmer in einem Guesthouse bekommen, doch wenn ich fahren wollte so musste es gleich sein. Ich entschloss mich also zu fahren. Am nächsten Tag, so gegen zehn war ich vor der gesuchten Adresse. Ich erkannte sofort dem Markus seine Schuhe vor der Tür. Markus und ich stammen beide von einem Dorf in Südtirol. Er hat eine Ausbildung als Meditationslehrer gemacht und unterrichtet Meditation in Indien. Die Birkenstock Schuhe haben seine Südtiroler Herkunft verraten. Markus war nicht wenig überrascht als er mich sah und sagte mir dass er am Nachmittag gleich weiter nach Madras müsste. Ich sollte jedoch nach Udupi fahren, er würde dann in einer Woche nachkommen. Die Wäsche die ich noch feucht eingepackt hatte musste ich sofort auspacken, sie hat schon ziemlich gestunken und noch einmal waschen. Ich konnte auf jeden Fall noch einen Tag bleiben. Es war kurz vor Weihnachten. Alle Busse nach Udupi waren ausgebucht. Es war unmöglich in den nächsten Tagen nach Udupi zu kommen. Die einzige Bestimmung für die es noch eine Fahrkarte gab war Pondicherry. Pondicherry liegt zwar auf der entgegengesetzten Küste von Indien, interessierte mich jedoch, da ich nach Auroville wollte, das ungefähr zehn Kilometer davon entfernt ist. Irgendwann später wollte ich dann nach Kanniyakumari, das an der südlichsten Spitze von Indien liegt und dann weiter über Trivandrum nach Cochin. Damals bin ich nur mehr bis Trivandrum gekommen. Mein Visa war abgelaufen und ich hatte Schwierigkeiten mit den korrupten Beamten. Ich bin damals von Trivandrum nach Sri Lanka geflogen und nicht mehr nach Indien zurückgekommen. Es hat dann 20 Jahre gedauert bis ich wieder nach Indien kam. Da Udupi auf der Strecke nach Cochin war, so wollte ich es mir mindestens ansehen. Das war also der Grund warum ich in Udupi Halt machen wollte. Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang über einer Salzgewinnungsanlage, die in viele Rechtecke eingeteilt war, welche unterschiedlich im Sonnenlicht glitzerten, ging es an Bauernhäusern vorbei. Immer wieder kamen Brücken, die entweder über einen großen Fluss führten oder über eine Meeresbucht. Die fünf Stunden nach Mysore vergingen relativ schnell. Ich stieg mit gemischten Gefühlen in Udupi aus, es war kein Ort in dem sich Touristen aufhalten. Als erstes war ein Hotel gefragt um mein Gepäck loszuwerden. Es gab eines gleich neben der Bushaltestelle das relativ schick aussah, der Preis von 200 Rupien passte auch in mein Budget. Ich bekam sogar die Zeitung aufs Zimmer. Da es gerade Mittag war suchte ich ein Restaurant auf das sich im gleichen Gebäude wie das Hotel befand. Das Essen schmeckte ausgezeichnet. Fast nicht zu glauben wie schmackhaft Reis und Gemüse werden kann wenn sie gekonnt, mit den richtigen Gewürzen zubereitet werden. Nach dem Essen ruhte ich mich noch etwas aus um dann den Tempel aufzusuchen. Hinter dem Tempel war ein großer Busparkplatz wo einige Schulklassen ausstiegen. Erst umrundete ich den Tempel und kam dann im Kuhstall an. Krishna, dem der Tempel geweiht ist hat ein besonderes Verhältnis zu den Kühen. Ich kann mich nur noch an Krishnas Gespielinnen erinnern die Kuhhirten waren. Endlich entschloss ich mich die Schuhe auszuziehen und den Tempel zu betreten. Irgendwie kam ich mich verloren vor, zwischen all den Schulklassen. Als die Kinder dann mit den Glocken zu bimmeln begannen war es mir eindeutig zuviel. Ich suchte so schnell wie möglich den Ausgang. Auf dem Weg zurück zum Hotel kam ich bei einem Travel Agent für Busreisen vorbei. Ich überlegte mir ob ich nicht gleich heute Abend weiter nach Mysore fahren sollte. Leider gab es keinen Sleeper mehr, nur noch Sitzplätze und von den Sitzplätzen noch einen einzigen. Eigenartig, der Travel Agent bestellte gleich zwei Chai. Beide Tassen standen auf dem Tisch, wahrscheinlich war einer für mich dachte ich noch. Inzwischen bestätigte ich dem Agent, dass ich den letzten Sitz nehmen würde. Er telefonierte und füllte eine Bestätigung aus. Dann deutete er auf seine Augen und auf meine Augen und meinte, dass wir ähnliche Augen hätten. Auch unsere Hautfarbe sei nicht so unterschiedlich. Ja mir viel jetzt auch auf, dass er etwas hellheutiger war als die Inder im Allgemeinen. Dann zeigte er mir seine Brahmanenschnur und erklärte dass der von der Chitpavana Brahmin Kaste sei. Er erzählte, dass sowohl seine Vorfahren als auch meine Vorfahren aus der Steppe Zentralrusslands stammten. Seine Vorfahren seien dann Richtung Industal gewandert und meine Vorfahren Richtung Europa. Damit seine Vorfahren sich nicht mit der dunkelhäutigen einheimischen Bevölkerung vermischen würde hätte es ganz strikte Regeln gegeben die bis heute im Kastenwesen eingehalten werden. Sieht man sich jedoch in Indien um, so fällt auf, dass die meisten Menschen eher dunkelhäutig als hellhäutig sind und somit allen Regeln zum Trotz eine Vermischung zwischen der ursprünglichen Bevölkerung und der Eingewanderten stattgefunden haben muss. Jetzt bekam ich den Chai angeboten. Ich bedankte mich für den Chai und das interessante Gespräch und ging wieder zum Hotel zurück. Ich hatte noch ein paar Stunden bis zur Abfahrt des Busses. Einerseits wollte ich mich noch im Hotel ausruhen, wenn ich schon das Hotel nur für Tagsüber genommen hatte, anderseits wollte ich gerne noch in einen Internetshop da ich mich so sehr daran gewöhnt hatte jeden Tag meine Mail zu lesen und zu beantworten. Da kam gerade ein europäisch aussehender Herr vorbei der vielleicht den gleichen Weg wie ich hatte. Genau , als ich ihn fragte ob er wüsste wo ein Internet shop war meinte er dass er auf dem Weg dorthin war und er dann später den Bus nach Mysore nähme. Er war zwar furchtbar arrogant, so kam es mir zumindest vor. Bis jetzt hatte mich noch nie jemand auf der Reise nach den ersten zwei Worten die Frage gestellt was ich beruflich tun würde. Ich lies mich zum Internetshop führen. Später würde ich ihn ja dann bei der Abfahrt des Busses wieder sehen. Wie wir dann auf den Bus warteten stellte ich ihm die Frage ob er etwas über die Chitpavan Brahmin Kaste wisse. Ich erklärte kurz dass die Angehörigen dieser Kaste stolz darauf seien sich nicht mit der einheimischen Bevölkerung vermischt zu haben. Dann kam er auf Deutschland zu sprechen, dass Deutschland von Ausländern unterwandert würde. Ich hätte mich mit ihm wunderbar streiten können hatte jedoch keine Lust dazu. Viel Schlaf fand ich diese Nacht nicht. Die Straße nach Mysore hatte besonders viele Schlaglöcher. Um 7 Uhr früh kam der Bus in Mysore an. Nach dem Aussteigen kam wie üblich ein ganzer Schwarm Taxifahrer der sich um die Passagiere stritt. Dem ersten Ansturm entkam ich da ich mir besonders viel Zeit beim Aussteigen lies. Der Taxifahrer wollte mich in ein Hotel seiner Wahl bringen. Ich wollte mich nicht auf seine Wahl verlassen und wählte das Hotel Ritz aus dem Reiseführer aus. Eins der vier Zimmer war gerade nicht belegt und so konnte ich mich gleich noch schlafen legen. Als ich dann so gegen 11 Uhr mich nach einem Frühstück umschaute war ich nicht der einzige. Eine junge Frau wartete auch auf das Frühstück.. Neben ihr lag ein Buch, von den Schriftzeichen erkannte ich sofort dass es Hebräisch war. Es war leicht mit ihr ins Gespräch zu kommen. Dann kam vom Zimmer nebenan noch eine junge Frau. Sie schien es eilig zu haben, wechselte jedoch noch ein paar Worte mit uns. Sie erzählte dass sie schon 8 Jahre in Indien unterwegs sei und von den Nilgiri Blue Mountains die alle zwanzig Jahre blau werden. Jetzt sei es wieder so weit und wir sollten uns das Schauspiel unbedingt anschauen. Sie erwähnte ein Guesthouse, die Wildhaven farm, mitten in den Blue Mountains. Sie schrieb mir noch die Adresse auf und weg war sie. Dann war da noch ein Schweizer, Marcel. Auch er war schon einige Jahre in Indien und Nepal unterwegs. Die Israelin hatte bestimmt nicht minder Erfahrung im Reisen. Marcel fragte was ich heute unternehmen wollte. Ich wollte jedenfalls zum Chamundi Hill, aber vorher wollte ich mich noch in der Stadt umsehen. Der Busbahnhof wo ich gestern angekommen bin war leicht wieder zu finden. Ich wusste allerdings nicht wohin die Reise weiter gehen sollte. Also ging ich mal auf gut Glück weiter. Zum Zugbahnhof war es weiter als ich dachte und so nahm ich mir doch noch ein Taxi. Doch auch dort hatte ich keine Eingebung wie es weiter gehen sollte. Es gab noch den Palast des Maharadschas, den ich mir anschauen wollte. Inzwischen hatte ich etwas Hunger bekommen. An der Straßenecke gab es ein Restaurant. Ich probierte hauchdünne Reisfladen mit Shambal. Den Palast des Maharadschas sah ich jedoch nur vom Hintereingang. Vor dass ich noch ins Hotel ging wollte ich mir noch einen Internetshop suchen und auch telefonieren. Es war einfach zu finden, gleich um die Ecke vom Ritz. Jetzt hatte ich gerade noch Zeit zum Chamundi Hill zu fahren. Marcel und die Israelin wollten mit dem Bus hinfahren. Den zu suchen war mir jedoch zu mühselig und so ging ich zum Prepaid Taxistand. Ich handelte mir eine Taxifahrt zum Fuß des Hill aus von wo ich dann zu Fuß hinaufgehen wollte. Es seien 1000 Stufen, das traute ich mir leicht zu. Nur die Taxifahrer wollten mir davon abraten, da es eine Straße zum Tempel oben auf dem Hügel gab. Es war schon später Nachmittag und darum nicht mehr so heiß. Dennoch kam ich ganz schön ins schwitzen. Es ging beim Nandi vorbei, ein riesiger schwarzer Stier. Dauernd wurde ich angequatscht wegen Bakschisch. Es war gar nicht so einfach die Bettler und Kinder loszuwerden. Egal was ich machte, wenn ich ihnen nichts gab, fand ich es nicht richtig und wenn ich ihnen etwas gab genauso falsch. Es war ein Dilemma. Oben beim Tempel habe ich dann Marcel und Naama, die Israelin getroffen. Naama wurde von einer alten Frau angequatscht die Geld wollte um sich etwas zum Essen zu kaufen. Es wäre allerdings erniedrigend gewesen das Geld anzunehmen. Naama jedoch fragte die Frau ob sie ein Foto machen dürfte. Es wurde ein Foto mit Charakter würde ich sagen. Die Frau fühlte sich hochgeschätzt dass sie für das Foto posieren durfte und so war es leichter für sie das Geld anzunehmen. Sie hat ja dafür eine Gegenleistung erbracht. Marcel machte etwas Ähnliches. Einem Jungen der ihn um Bakschisch anquatschte bot er seine Freundschaft an. Das war ja was Besonderes. Er konnte der Freund des Reichen Europäers sein. Ich habe daraus gelernt wie aus dem Dilemma geben oder nicht geben etwas Positives für beide, dem der gibt und dem der nimmt, entstehen kann. Inzwischen war es Zeit die 1000 Stufen wieder hinunterzugehen bevor es ganz finster wird. Die Sonne war bereits untergegangen. Als wir beim Nandi vorbeigingen wurde gerade die Beleuchtung eingeschaltet. Die Beleuchtung war jedoch nur in der Nähe des Nandi Tempels. Zum Glück hatten wir Taschenlampen dabei um den letzten Rest der Stufen zurückzulegen. Einen einzigen Taxifahrer gab es noch unten und der wollte die Situation ausnutzen um einen höheren Fahrpreis herauszuhandeln. Vom dreifachen des normalen Fahrpreises ging er immerhin auf den doppelten zurück. Nur beim Aussteigen wollte er das Wechselgeld nicht herausgeben. Ich suchte nach Kleingeld und hatte den Fahrpreis beisammen. Er wollte er Naama das Geld das sie ihm gegeben hatte nicht mehr zurückgeben. Nachdem ich ihm ordentlich meine Meinung gesagt hatte kam uns ein anderer Taxifahrer zu Hilfe griff unserem Taxifahrer einfach in die Brusttasche, nahm das Geld heraus und gab es uns zurück. Jetzt hatten wir uns aber ein Abendessen verdient. Naama wusste den Weg zum besten Restaurant der Stadt. Es war gerade noch ein Tisch zu bekommen. Die meisten Traveller hatten auch dieses Restaurant ausgesucht. Gut 1 viertel der Gäste waren jedoch Einheimische. Es gab Indische Live Musik, mit Sitar. Zwar keine Klassische Indische Musik, jedoch passte auch die etwas an Westliche Ohren angepasste Musik. Guanta na Mera auf Indisch hatten wir bis jetzt noch nie gehört. Jeder von uns hatte das Gefühl dass es ein gelungener Abend war. Auf dem Weg zurück ins Hotel gingen wir noch beim Internetshop vorbei. Ich wollte auch noch Markus anrufen um ihn dann am Montag in Cochin am Flughafen zu treffen. Er war nicht wenig erstaunt dass ich in Mysore war und machte den Vorschlag dass ich auf dem Weg nach Cochin in Ooty einen Tag verbringe. Da war doch die Wildhaven Farm in den Nilgiri Blue Mountains Ich wollte morgen entscheiden wie meine Reise weitergehen sollte. Zu Markus sagte ich lediglich, dass er nicht am Flughafen auf mich warten sollte. Für mich war es ein langer Tag, die Nacht zuvor hatte ich ja im Bus verbracht und so wollte ich so schnell wie möglich ins Hotel. Ich viel dann auch sofort in Schlaf. Am nächsten Morgen hatten wir noch gemeinsam Frühstück., dann trennten sich unsere Wege. Ich wollte noch den Maharadscha Palast anschauen und dann einen Bus nach Ooty oder Cochin suchen. Soviel ich von Marcel begriffen hatte wollte er mit Naama weiter reisen. Wohin die Reise ging wussten beide noch nicht. Marcel wollte irgendwann dann nach Südostasien. Ich entschied mich für einen Bus nach Cochin, da ich mir so sicher sein konnte mit Markus zum Vedic Village zu kommen. Der Bus fuhr nach Ernakulam, ganz in der Nähe von Cochin. Wieder war es der letzte freie Sitz im Bus den ich buchte. Abfahrt war um halb Zwölf Uhr Nachts und ich würde vom Hotel abgeholt. Ich fragte im Hotel ob ich das Gepäck bis dahin unterstellen könne. Das war kein Problem. Der Palast des Maharadschas war für mich nicht besonders interessant. Es gab unheimlichen Prunk, kombiniert mit einem Minderwertigkeitsgefühl den Europäern gegenüber. Der Maharadscha von Mysore wollte durchaus mit den Europäischen Königshäusern Konkurrieren. Was den Prunk betrifft konnte er das auch.. Warum ich das Gefühl nicht loswurde, dass sich der Maharadscha den Europäischen Königen unterlegen gefühlt haben muss, konnte ich mir nicht erklären. Das begann anscheinend schon vom Kindesalter an. Im Museum wurden die Spielsachen des Maharadschas ausgestellt, darunter Spielzeugautos. Da es damals sicher noch keine Autos auf den Straßen Indiens gab fand ich das grotesk. Auf dem Weg zum Hotel zurück war ich mir plötzlich nicht mehr sicher ob ich in die Richtige Richtung ging und schaute mal auf die Karte. Da kam gerade eine junge Asiatin vorbei. Sie schien recht intelligent, nur hatte sie einen etwas eigenartigen Hut im Gesicht. Das Problem war dass sie fast kein Englisch sprach. Sie fragte ob ich Ñsingle travellerì sei. Voller Stolz sagte sie dass sie auch Ñsingle travellerì sei und holte gleich ihren asiatischen Reiseführer heraus. Ich fragte welche Sprache das sei. Es war Koreanisch. Sie komme aus Südkorea sagte sie voller Stolz. Dann zeigte sie mir auf der Karte wo sie schon überall war. Sie hätte ganz allein Pakistan und Afghanistan bereist. Ich habe nicht genau verstanden wo sie als nächste hinwollte. Ich zeigte ihr meine Bestätigung für die Bus Reservierung nach Ernakulam. Anscheinend wollte sie dort auch hin. Aber noch am selben Abend das ging ihr dann doch zu schnell. Wir wünschten uns beide noch viel Glück auf den Reisen und verabschiedeten uns. Ich hatte noch den ganzen Abend zu verbringen, jedoch kein Hotel. Der Intenetshop an der Ecke zum Hotel war ein recht guter Platz. Ich wollte sowieso noch einige E-mails schreiben, auch an meiner Story wollte ich noch weiter schreiben. Die Zeit verging wie im Fluge. Jetzt war gerade noch Zeit Abend zu Essen. Da das Hotel Ritz auch ein ausgezeichnetes Restaurant hatte wollte ich dort essen. Im übrigen wurde ich ja dort abgeholt. Leider war kein Tisch mehr frei im Restaurant. Da erkannte ich die zwei Deutschen die mit mir zugleich in Gokarna in den Bus nach Mysore eingestiegen sind. Sie waren zwar schon fertig mit dem Essen, luden mich jedoch ein mich dazu zu setzen. Die vielen Schlaglöcher hatten ihnen wirklich zugesetzt. Sie hatten jedoch viel Humor. Ich war schon fast mit dem Essen fertig, da stand ein Inder mit einer Zipfelmütze neben meinem Tisch der irgendwie nicht in das Restaurant passte und fragte mich was der da wohl wolle. Er hätte ein Taxifahrer sein können. Es war inzwischen Zeit für den Bus. Ich holte an der Rezeption mein Gepäck ab und da war er schon wieder. Erst jetzt fragte er mich ob ich auf den Bus nach Ernakulam warten würde. Er nahm mein Gepäck und holte eine Autorikscha die uns zum Reisebüro brachte. Ich war nicht der einzige der den Nachtbus nach Ernakulam nahm. Zwei recht junge Mädchen warteten schon dort. Der Angestellte vom Reisebüro nahm unser Gepäck und führte uns zu einer Bushaltestelle in der Nähe. Da warteten wir nun auf den Bus. Inzwischen muss es wohl schon Mitternacht geworden sein. Es gab einen Betrunkenen der uns belästigte bis dass ihn der Angestellte vom Reisebüro verscheuchte. Jetzt wusste ich warum der Inder eine Zipfelmütze trug. Es war inzwischen schon ziemlich kalt und ich hätte auch ganz gerne so eine Zipfelmütze gehabt. Die beiden Mädchen, eine Schweizerin und eine Engländerin waren zwar recht lustig, doch wohl auch nur um ihre Unsicherheit zu überspielen. Die Schweizerin war die ganze Zeit am Nagelkauen und ich kam mir wie ein Vater vor der dauernd seiner Tochter sagen musste endlich mit dem Nagelkauen aufzuhören. Wir waren ziemlich erleichtert als endlich der Bus kam. Ich wusste zwar, dass ich den letzten Sitz gebucht hatte. Es war jedoch wirklich der letzte Sitz in der hintersten Reihe. Die Sitze in der hintersten Reihe waren die einzigen die nicht in Schlafstellung gebracht werden konnten. Da wir die letzten Passagiere waren mussten wir wohl damit zufrieden sein. Wir waren zwar recht müde aber schlafen ging nicht, dafür war der Bus zu laut und die Straßen zu holprig. Die Kurven schienen kein Ende zu nehmen. Es ging immer bergauf. Anscheinen waren wir in der Nähe von Ooty. Doch mitten in der Nacht war nicht viel zu sehen. Nur irgendwann gingís dann in endlosen Kurven bergab. Als die Sonne aufging waren wir schon an der Küste von Kerala. Gegen Sieben Uhr waren wir endlich in Ernakulam. Ich bestellte eine Autorikscha, die beiden Mädchen mussten noch eine Zigarette rauchen. Bevor ich losfuhr sagte ich noch zu den beiden Mädchen Ñsee you at the Brighton Caféì, ich wollte dort Frühstücken. Das war im Fort Cochin, wo es gute Übernachtungsmöglichkeiten gab. Ich hatte am Abend zuvor noch ein Zimmer in einer Privatunterkunft reserviert. Zum Frühstücken war es jedoch noch zu früh und ich wollte endlich schlafen. Die Tochter des Hauses war schon am Eingang und wir regelten die Anmeldung. Das Zimmer war im Hintergebäude eines jahrhundertealten holländischen Hauses. Es war ziemlich ruhig und ich viel sofort in Schlaf. Gegen Zehn hörte ich dann immer mehr Menschen. Der ganze Innenhof und der Raum daneben waren mit Menschen gefüllt. Ich wollte jedoch Frühstücken. Im Kashi Art Cafe hatte ich dann ein ausgezeichnetes Frühstück. Ich konnte mir kaum etwas Schöneres vorstellen als an den riesigen chinesischen Fischernetzen am Nordufer des Forts entlang zu spazieren. Wie ich zurück zu meiner Unterkunft kam hatte Mr. Walton der Leiter des Hauses gerade etwas Zeit für mich. Er erzählte mir dass heute ein Wunsch für ihn in Erfüllung gegangen ist. Er hatte ein Buchgeschäft eröffnet, deswegen waren die vielen Gästen im Haus. Ich hätte mich gerne noch mit Mr. Walton etwas länger über Bücher unterhalten, doch die 14 Tage waren ja bald um und ich musste noch zurück nach Goa. Deswegen musste ich dringend noch zum Bahnhof von Ernakulam um eine Reservierung für den Zug zurück nach Goa zu bekommen. Ein Freund von Mr.Walton organisierte mir ein Taxi zum Bahnhof. Nach dem üblichen Ausfüllen des Formulars bekam ich einen Computerausdruck mit dem ich zum Bahnhofsvorstand geschickt wurde. Es gab keine reservierten Plätze, doch der Vorstand konnte noch einen Platz aus der Tourist Quota vergeben. Jetzt konnte ja nichts mehr schief gehen. Augustin, der Taxifahrer wollte mich morgen früh um Sechs abholen und zum Flughafen bringen. Markus sollte so gegen Sieben ankommen. Cochin Ford wäre allerdings ein Platz gewesen wo ich gerne länger geblieben wäre. Ich hatte immerhin noch den Abend in Cochin. Mr. Walton hatte mir von einem Sitarkonzert erzählt das heute Abend im Kathakali Center stattfinden sollte. Ich war noch etwas früh dran und so konnte ich auch noch die Kathakali Aufführung sehen. In der Pause schlenderte ich dann zum Café Brighton. Ich hatte mich zwar mit den beiden Mädchen heute morgen im Café Brighton verabredet. Doch dass ich sie dort auch treffe hat mich dann doch überrascht. Wir fanden heraus dass sie auch in der Princess Street übernachten. Voller Begeisterung erzählten sie mir von ihrem Ayurveda treatment das sie sich heute Vormittag geleistet hatten. Dann waren sie jedoch so müde dass sie einige Stunden geschlafen hatten. Kein Wunder, denn auch sie hatten die ganze Nacht kein Auge zugetan. Aber jetzt waren wir wieder alle frisch und munter. Ich verabschiedete mich, denn es war Zeit für das Sitarkontzert. Ich bekam sogar noch einen Platz in der zweiten Reihe. Vor mir war ein eigenartiges Bild von einer Kuh. Im inneren der Kuh waren heilige Männer abgebildet. Ich hätte noch gerne gewusst welche Bedeutung das Bild hatte. Es waren einige Touristen zum Sitarkonzert gekommen. Es wurde uns auch erklärt dass die Sitar vor allem in Nordindien gespielt wird. Dann wurden uns die Ragas erklärt. Obwohl es Abend war wurde dann doch ein Morning Raga gespielt. Vielleicht darum um zu vermeiden dass es den Zuhörern langweilig wird und sie dann in Schlaf fallen. Ich war wirklich in guter Stimmung und genoss die Musik. Nach dem Konzert war ich jedoch eher aufgekratzt. Ich war sicher dass ich jetzt nicht einschlafen hätte können. Eine Frau in meinem Alter die auch beim Konzert war hatte zufällig den selben Nachhauseweg und so redeten wir noch etwas auf dem Nachhauseweg. Auch ihr war anscheinend nicht nach schlafen gehen zumute und so suchten wir noch ein Lokal wo wir uns noch etwas unterhalten konnten. Es war uns beiden nach Bier zumute. Da Alkohol nicht überall ausgeschenkt werden kann bekamen wir eine Teekanne mit zwei Tassen. In der Teekanne war jedoch Bier und kein Tee. Die Frau erzählte mir von ihrer Tochter die gerade mal Zwanzig war und vor einem halben Jahr drei Monate allein in Indien unterwegs war. Wie sie noch jung war hatte sie auch eine Indienreise unternommen, jedoch mit ihrem Freund zusammen. Dass ihre Tochter allein unterwegs war das fand sie ganz schön tapfer. Sie wollte ihrer Tochter in nichts nachstehen und so machte sie sich auch allein auf die Reise. Es waren gerade Semesterferien. Sie war zwar Engländerin, hatte jedoch einen Job in Südafrika, als Senior Lecturer an der Universität von Südafrika. Es war ein gelungener Abend. Wir hätten uns noch länger unterhalten können wenn ich nicht morgen früh um sechs vom Taxifahrer abgeholt worden wäre. Zufällig wohnte sie auch bei Mr. Walton. Wir hatten also wirklich denselben Nachhauseweg. Sie wohnte im Untergeschoss, ich im Obergeschoss. Nach dem Bier viel ich sofort in Schlaf. Pünktlich um Sieben war ich auf dem Flughafen. Ich war nicht der einzige der auf den Flug aus Kuwait wartete. Wir standen in drei Reihen vor der Absperrung und jedes Mal wenn sich die Tür öffnete war jeder in der Erwartung ob es die Person war auf die er gerade wartete. Nachdem die Crew durchmarschiert war kamen ein paar special guests, dann die Passagiere erster Klasse und schließlich der Rest. Obwohl ich in der zweiten Reihe war sah Markus mich sofort und stellte mich seinen zwei Mitreisenden, Martin und Monica vor. Ich verstand zunächst nicht warum Markus immer von fünf Personen sprach da ich nur vier zählte. Jetzt erst erkannte ich Frau Dietl, die Mutter von Markus die auf einem Rollstuhl zum Taxi gebracht wurde. Nach elf Stunden Flug waren sicher alle recht erschöpft. Markus und ich saßen auf dem Vordersitz neben dem Fahrer. Martin, Monica und Frau Dietl hinten. Zuerst kamen wir bei Kaladi vorbei, dem Geburtsort von Adi Shankaracharya dem großen Indischen Philosophen. Leider hatten wir noch eine lange Fahrt vor uns, sonst hätte ich mir gerne von Markus den Tempel von Sringeri Math zeigen lassen. Ich habe leider nur das Monument gesehen das von der Indischen Regierung gebaut wurde. Ein achtstöckiger Turm, in dem von der ersten Etage beginnend die Geburt, dann die Jugend bis zur achten Etage das außergewöhnliche Leben von Shankaracharya dargestellt wurde. Markus fand den Turm so hässlich dass er ihn nicht einmal anschauen wollte. Er kannte das Leben Shankaracharyas ohnehin besser als auf den Abbildungen dargestellt war. Ich fand die Abbildungen der Wunder die Shankaracharya vollbracht haben soll auch einigermaßen kitschig für meinen Geschmack, jedoch lehrreich. In der Beschreibung zu den Bildern stand, dass Shankacharia mit 16 Jahren die Vedas kannte und mit einem Alter von 32 Jahren Mahasamadhi ereichte. Bekannt sind die vier ÑMathsì in Sringeri, Dwaraka, Joshimath und Puri, Klöster welche er zur Weitergabe der Tradition des ÑVedic Dharmaì von ihm gegründet wurden. Für indische Verhältnisse fuhr unser Taxifahrer äußerst zurückhaltend und vorsichtig. Für Markus schon zu vorsichtig, dem es nicht schnell genug gehen konnte um nach Alyiar zu kommen wo er das Projekt von einem Vedischen Dorf begonnen hatte. Er wollte auch seiner Mutter endlich etwas Ruhe gönnen. Immerhin waren sie schon zwei Tage unterwegs. Sie mussten ja zuerst nach Rom, wo sie übernachteten, dann nach Kuweit und von dort nach Cochin. Für eine Frau von über achtzig Jahren war das keine Selbstverständlichkeit. Martin und Monica wären wohl auch lieber von München aus geflogen und hätten sich gerne die Anreise nach Rom erspart. Da Monica und Martin noch gerne was von Indien sehen wollten wäre für sie ein direkter Flug von München nach Goa eine Alternative gewesen. Der Fahrer ging wirklich immer auf Nummer Sicher. Bei jeder Straßenkreuzung fragte er nach dem Weg. Auch Markus schien sich nicht immer sicher zu sein was jetzt der kürzeste Weg nach Alyar war. Es schien endlos von einem Dorf zum anderen zu gehen bis wir endlich den Damm des Aliyar Stausees sahen. Neben dem Stausee war ein Vergnügungspark. Anscheinend kommen Touristen aus ganz Indien nach Alyar wegen dem Stausee und der landschaftlichen Schönheit Beim bekannten Ashram von Vedathri Maharishi, nicht zu verwechseln mit Maharishi Mahesh Yogi, bogen wir von der Straße in einem schmalen Weg ein und 100 Meter später befanden wir uns am Tor von Maitreyi. Es war och ein provisorisches Tor, jedoch der Name Maitreyi war mit Buchstaben aus Metall am Tor angebracht. Obwohl Markus schon längere Zeit weg war wurde das Tor sofort geöffnet. Wir wurden von Mataji begrüßt, eine Sanyasin die Markus schon sehr lange kannte. Sie erzählte vom Shivananda Ashram wo sie vorher gelebt hatte. In ein paar Tagen wolle sie zum Kumbha Mela. Eine riesige Zusammenkunft von Sanyasins, Sadhus und anderen, die Ihr Leben Gott geweiht hatten. Maitrey besteht aus einer Anzahl gemeinschaftlichen Häusern wie Rezeption, Restaurant und Administrativer Gebäude und den privaten Häusern wie das von Markus. Neben dem Haus von Markus war das von Martin und Monica. Sie hatten es bis jetzt nur von den Plänen gekannt, und waren entsprechen gespannt es zu betreten. Dann waren noch das Haus in dem Mataji wohnte und ein weiteres in dem gleich zwei Wohnungen untergebracht waren. Die eine Wohnung hatte den Eingang Richtung Osten, die andere den Eingang Richtung Norden. Ich konnte aussuchen in welcher Wohnung ich bleiben wollte. Da ich bis jetzt noch nie in einer Wohnung mit Osteingang übernachtet hatte wählte ich diese aus. Alles war blitzblank und neu. Ich war ja auch der erste Gast in dieser Wohnung. Wir wurden im Restaurant zum Mittagessen erwartet. Alles war neu, sogar die Preisschilder von den metallischen Trinkbechern wurden noch nicht entfernt. Gegessen wurde mit den Händen. Üblich war am Boden zu sitzen. Für uns gab es jedoch einen Tisch und Stühle. Martin meinte dass es etwas schwierig für ihn sei mit den Händen zu essen da es ihm als Kind ja immer wieder verboten wurde. Für Frau Dietl war es schon wieder selbstverständlich. Es war ja nicht das erste Mal dass sie in Indien war. Ich kann mir vorstellen, dass es die früheren Male ganz sicher weniger luxuriös war, da ja noch kein Haus fertig war und sie im Nachbarort untergekommen waren. Da sich jeder noch von der Reise erholen musste warteten wir noch bis zum nächsten Tag mit der offiziellen guided tour durch Maitreyi. Am Abend zeigte uns Markus die Fotos einer Vedischen Hochzeit die im Pavillon von Maitreyi stattgefunden hatte. Es war schon Dunkel da gab es eine Gepolter und einen Krach. Es war zwar nichts zu erkennen, doch mussten sich vom Felsen oberhalb der Häuser größere Steine gelöst haben die heruntergerollt waren. Ich machte mir wenig Sorgen um die Steine, in der Finsternis ist sowieso alles bedrohlicher als wenn es hell ist, und hatte einen guten Schlaf. Am nächsten Tag versuchten wir herauszufinden von wo her die Steine kamen Es viel uns jedoch nichts Verdächtiges auf. Nach dem Frühstück begann Markus mit der Führung. Das Vedische Dorf ist nach der Vastu Lehre gebaut. Das Grundstück sollte die Form eines Quadrates haben oder zweier Quadrate wie es in Maitreyi der Fall ist. Das Quadrat wird dann wieder in Quadrate, zum Beispiel neun Quadrate eingeteilt, was auch als Mandala bezeichnet wird. Am wichtigsten ist die Ausrichtung des Quadrats. Wenn es zwei Qudrate sind so wie im Fall von Maitreyi so soll die längere Seite genau in Ost West Richtung verlaufen. Die längste Strasse verläuft dann auch in Ost West Richtung. Es sollen keine Hindernisse den Aufgang der Sonne verhindern, also kein Berg den Aufgang der Sonne verzögern. Der Berg sollte im Süden sein und das Gelände Richtung Norden abfallen. Wasser sollte im Osten sein. Beides ist in Maitreyi erfüllt. Im Süden gibt es einen Berg mit glatten schwarzen Felsen, sicherlich einige 100 Meter hoch und im Osten den Alyar Stausee. Der Grund liegt um einiges Höher als der Stausee, vom Wasser gibt es also keine Bedrohung. Vom Eingangstor welches sich im Nordosten befindet geht die Zufahrtsstrasse in genau Nordsüd Richtung zum Empfangsraum. Es gibt dann ein Geschäft und Gebäude für die Administration. Weiters einen Pavillon und ein Restaurant. Um zum Eingang der Gebäude zu gelangen muss man einige Stufen hochsteigen. Dort werden die Schuhe gelassen, da die Gebäude nicht mit Schuhen betreten werden sollen. Die Eingangstür ist immer in Richtung Osten, so dass man in der Früh wenn man das Haus verlässt in Richtung Sonne schaut. Da die Eingangstür immer etwas höher als der Grund ist kann es auch bei sehr starkem Monsun nicht zu einer Überschwemmung im Haus kommen. Der Grund ist außerdem sehr porös, so dass das Wasser schnell aufgenommen werden kann. Außer den gemeinschaftlichen Gebäuden gibt es bis jetzt fünf Wohnhäuser, das Haus wo ich untergebracht bin hat zwei getrennte Wohnungen, die anderen Häuser sind nicht unterteilt. Hinter dem ersten Quadrat gibt es dann noch ein zweites Quadrat wo weitere Wohnhäuser gebaut werden können. Im hinteren Bereich gibt es das Ayurvedazentrum wo auch die Ayurvedischen Behandlungen durchgeführt werden. Die Bäder sind dort besonders luxuriös ausgeführt. Das Warmwasser wird durch eine Solaranlage erzeugt die sich im Süden befindet. Hier waren die Techniker gerade beschäftigt die letzten Rohrleitungen zu verlegen. Wir machten noch einen Spaziergang ins hinter Quadrat das zur Zeit landwirtschaftlich genutzt wird. Im Süden gibt es genügend Wasser und da das Land Richtung Osten abfällt kann es leicht bewässert werden. Jeder Baum kann einzeln bewässert werden. Im Osten ist die Wasseraufbereitungsanlage wo mit sehr viel Technik das Wasser so aufbereitet wird dass es keimfrei ist. Bei den hohen Temperaturen und den vielen Keimen ist das eine technische Herausforderung. Das Gebäude der Wasseraufbereitungsanlage hat ein Flachdach. Auf dem Dach war ein Café geplant. Am Nachmittag wollten Martin, Monica und ich zu den Monkey Water Falls. Markus wollte dass uns der Fahrer ein Stück mitnimmt da es doch weit war. Uns war jedoch nach einer Wanderung zumute und so wollten wir den ganzen Weg zu Fuß gehen. Da es um die Mittagszeit noch sehr heiß war haben wir uns mit Tüchern um den Kopf vor der Sonne geschützt. Wir liefen ziemlich lange die Straße am Ayar Stausee entlang. Bei den kleinen Geschäften entlang der Strasse versorgten wir uns mit Wasser. Am Beginn des Nationalparks war eine Schranke. Hier mussten wir Eintritt bezahlen, auch für Fotoapparat und Filmkamera musste bezahlt werden. Da wir nicht genau wussten wie weit es bis zu den Monkey Water Falls war und es immer wieder Straßen gab die rechts abbogen entschlossen wir uns abzubiegen und die Straße hinauf zu gehen. Bald hörten wir das Rauschen von Wasser. Es waren jedoch keine richtigen Wasserfälle, nur Wasser das entlang der Straße floss. Inzwischen hatte wir an Höhe gewonnen und hatten eine wunderbare Aussicht über den See. Es gab dann einen Kanal der horizontal entlang des Hangs lief. Von dort konnten wir Wasserfälle entdecken. In Maitreyi zurück zeigten wir Markus die Fotos von den Wasserfällen. Allem Anschein waren es nicht die Monkey Water Falls. Mataji bot sich an uns die Wasserfälle zu zeigen, jedoch diesmal mit dem Auto. Bei den Wachposten muss sie wohl erzählt haben, dass wir unverrichteter Dinge wieder zurück gekommen sind da der Wachmann uns so unverschämt angegrinst hatte. Wir hätten nämlich bis zum Ganesha Tempel laufen sollen und dort abbiegen. Leider hat uns das niemand vorher gesagt. Wäre es nicht schon so spät gewesen hätten wir noch ein Bad nehmen können, doch es war schon wieder Zeit zum Abendessen. Beim Abendessen erzählte ich Markus von dem Chitpavan Brahmanen Arischer Abstammung den ich in Udupi kennen gelernt hatte. Ziemlich barsch meine Markus, dass die Arische Invasion eine Erfindung sei und niemals stattgefunden habe. Wir sprachen noch über das Sanskrit, das eine Indoeuropäische Sprache ist und sich mit den Ariern in Indien ausgebreitet hatte. Er gab mir ein Buch zu lesen von Sri Aurobindo mit dem Titel: "The Myth of the Arian Invasionì" Da ich am Tag darauf schon wieder nach Ernakulam fahren wollte, musste ich das Buch wohl gleich lesen. Ich fragte mich warum die Invasion der Arier in Europa nicht in Zweifel gezogen wird. In Indien jedoch schienen führende spirituelle Leiter dagegen zu sein. Was mich an dem Buch interessierte waren Beweise warum es diese Invasion nicht gegeben haben kann und nicht Argumente warum den politischen Machthabern diese Theorie gelegen kam. Am nächsten Morgen hatte ich das Buch zum größten Teil gelesen. Trotzdem war ich noch immer nicht überzeugt dass diese Theorie ein Märchen war. Waren die Arier also schon in Indien bevor sie Richtung Europa gezogen sind? Lauter Fragen auf die ich keine eindeutigen Antworten fand. Mataji machte am Vormittag immer Puja. Sie hatte ein Tablett auf dem alle Gottheiten versammelt waren. Zuerst wurden sie gewaschen, dann abgetrocknet, es wurde Ihnen zu Essen und zu Trinken gegeben, sie bekamen Blumen und Räucherwerk. Das auf diese Art gesegnete Essen, da Prasad, wurde dann an die Anwesenden verteilt. Am Nachmittag hatten der Koch und der Fahrer Erledigungen in Polacchi zu machen. Das kam mir sehr gelegen, da ich von dort einen Bus nach Ernakulam bekommen könnte. Mataji, Monica und Martin kamen auch mit. Es waren zwei ruhige Tage in Maitreyi. Ich verabschiedete mich von Markus und seiner Mutter und dann ging es wieder auf Reisen............................................................... . . . Oh, das war jetzt eine vielleicht zu lange Geschichte. Tut mir leid, aber wem es nicht interessiert, der kann ja ganz einfach darüber hinweg scrollen. Die Arztvisite war mal wieder interessant. Vom Professor bekam ich gleich das Kompliment, daß ich erholt aussehe. Naja vielleicht nicht ganz so erholt wie die Ärztin mit der ich das Erstgespräch hatte. Sie war heute von einem vierwöchigen Urlaub zurück. Sie sagte, daß sie nicht erwartet hätte mich in einem so guten Zustand zu sehen. Dann kam das Gespräch wieder auf die PEG Sonde (Magensonde zur künstlichen Ernährung). Der Professor sagte: "Ich habe Sie jetzt durchschaut, sie wollen so lange über die Sonde diskutieren bis keine Zeit mehr verbleibt sie ihnen einzusetzten." Wir lachten herzlich. Jetzt ist das Thema Sonde beendet. Es dauert nämlich zwei Wochen bis man einen Termin zur Einsetztung einer Sonde bekommt und dann ist die Strahlentherapie schon fast beendet. Zur Maske habe ich inzwischen ein sehr gutes Verhältnis, sobald ich sie sehen kommen die Bilder auf mit denen ich mich vorher beschäftigt habe. Heute Südindien, sogar noch intensiver als ich in der Geschichte beschrieben habe. Jedenfalls kamen mir noch sehr viele Details in den Sinn, die ich nicht in meinen Anmerkungen aufgeschrieben hatte. Bei der zweiten Visite am Nachmittag, der Professor war nicht mehr dabei habe ich dann den Ärzten geschildert wie ich mich heute übergeben hatte. Ich hatte den Weg vom Bett ins Bad nicht mehr geschafft und eine ziemliche Sauerei am Boden hinterlassen. Die Reaktion des Arztes war mir ein paar Niersenschalen und Papier zu bringen. Dann esse ich lieber nichts mehr, als das Essen unter erheblichem Aufwand hinunterzuschlucken, um es dann letztendlich doch nicht zu verdauen. Also, es wird wohl auf eine dreiwöchige Fastenkur hinauslaufen.

Sonntag, 31. August 2008

1. Sonntag im Krankenhaus

Der Tag begann nicht gerade mit Erfolgserlebnissen. Kaum hatte ich den Energiedrink im Mund, mußte ich schon kotzen. Ich hatte zwar das Sulfur genommen, doch zeigte es absolut keine Wirkung. Immerhin war es ein Versuch wert. Also blieb nichts anderes übrig als abwarten und Tee trinken. Immerhin vertrug ich ein paar Schlucke Fencheltee. Kurz vor, daß ich wieder an die Nährlösungsinfusion angehängt wurde, ging ich noch mal eine Runde spazieren. Das Wetter war super, ich hätte vielleicht einen längeren Spaziergang machen können, doch schien mir besser Resourcen zu sparen und mich wieder hinzulegen. Der Nachmittag verlief gemütlich, ich schrieb ein paar emails und schaute mir im Internet das mit der Magenschleimhaut an. Also, die Magenschleimhäute erneuern sich innerhalb von 5 bis 7 Tagen. Würde ich also mit der Chemo aufhören, dann müßten die Probleme mit der Übelkeit auch von allein verschwinden. Dazu viel mir die Aussage des Heilpraktikers, der mir Sulfur verschrieben hatte, ein, daß laut Hahnemann erst die Ursache der Krankheit behoben werden müßte vor daß man zur Therapie schreitet. Wie wahr, ich konnte doch wirklich nicht vom Magen verlangen, daß er sich durch irgendwelche homöopatische Mittel beruhigen würde, solange das Gift noch da war. Die Ärztin gab mir dann ein Magenschleimhautschutzmedikament das zu meinen zwei Infusionsflaschen dazugefügt wurde. Als Abendprogramm habe ich mir den Film "Sieben Jahre in Tibet" zurechtgelegt.

Samstag, 30. August 2008

1. Samstag im Krankenhaus

Heute ging es um einiges besser als gestern. Gleich am Morgen habe ich mit einem Energiedrink begonnen. Es ging zwar langsam, aber es ging. Gestern Abend dachte ich daran, daß womöglich ein homöopatisches Mittel gegen den Brechreiz wirken könnte. Da viel mir das Nux Vomica ein, das wie der Name sagt, gegen Erbrechen wirken sollte. Ich hatte davon noch was Zuhause. Eine Recherche im Internet ergab, daß es bei Chemotherapie gegeben werden kann um den Brechreiz zu dämpfen. Sicher kann man sich bei diesen Recherchen niemals sein, so suchte ich weiter und fand die Seite des homöopatischen Notdienstes München. (www.homoeopathischer-notdienst.de) Es konnte nichts schaden einen Fachmann zu fragen. Nach ausführlicher Befragung zu meiner Situation gab mir der diensthabende Heilpraktiker den Rat nicht das Nux Vomica zu nehmen, sondern Sulfur C30. Lisa holte es aus der Apotheke und brachte es mir am Nachmittag vorbei. Vor, daß ich an die Infusion angeschlossen wurde, machte ich noch einen kleinen Spaziergang.Den weiteren Nachmittag vertrieb ich mir mit der DVD von Liviu. Mr. Bean auf Urlaub in Frankreich, der amüsanteste Film den ich von Mr. Bean je gesehen hatte. Später noch einen Film mit Karl Markovics, die Fälscher, der ungemein spannend war.

Freitag, 29. August 2008

19. Tag der Bestrahlung

Gestern bekam ich von LeeAnne folgende e-mail, die ich zum Teil hier wiedergeben möchte: So, I don't have a Camino image for you, but I do have one that is associated with the Camino. It might be a nice thing for you to contemplate during your treatment. On the Camino you told me the story of how you and your sister and a few neighbourhood kids went to the alm to collect cheese. It is such a nice image, and it has stuck with me. Would that be nice to meditate on? I'm sure you can pull some lessons from it, that have shaped you in your later life, such as a streak of independance from a young age and a sense of adventure, as well as a love for the outdoors and agricultural life, and companionship. I'm sure their are many more. Good luck with your next treatment. Your friend, LeeAnne Ich kann mich nicht erinnern warum ich LeeAnne von der Alm erzählt habe, aber wenn man 900Km gemeinsam läuft gibt es halt einiges zu erzählen. Nur zu gerne verwendete ich diese Anregung bei der heutigen Bestrahlung. Also, es war in meiner Volksschulzeit, ich kann mich nicht genau erinnern wie alt ich war, doch höchstens 11. Meine Schwester war 10 Jahre. Mein Schulfreund der Heinzi war gleich alt wie ich, seine Schwester, die Emma, ein Jahr älter. Dann war noch Klaus, der Bruder von Heinzi, der älteste von uns, er wahr wohl 13 oder gar 14. Dann war noch der Peter und der Hubert, auch so in unserem Alter. Heinzis Eltern hatten einen Bauernhof, auf dem wir zur Miete gewohnt hatten bis ich sechs Jahre alt war. Deshalb waren wir uns alle bestens vertraut. Im Sommer waren die Kühe auf der Alm, so gab es etwas weniger Arbeit am Hof und Futter konnte eingespart werden. Ab und zu mußte der Bauer oder die Kinder auf die Alm um Käse abzuholen. Klaus wurde mit der Verantwortung beauftragt, den Käse zu holen und sollte uns Kinder mitnehmen, Beim Tragen sollten wir dann behilflich sein. Es war vorhergesehen, daß wir drei Tage unterwegs waren. Zwei Tage bis hin zur Alm, da der Aufstieg ziemich steil ist, und einen Tag zum zurückgehen. Auf einem Bergbauernhof, auf halb Weg zur Alm, sollten wir übernachten. Nachdem wir vom Bauern gute Ratschläge bekommen hatten und jeder versprochen hatte dem Klaus zu folgen, ging es los. Es war damals nichts ungewöhnliches 6 Kinder alleine loszuschicken. Der Klaus kannte ja den Weg.Die Kinder wurden so zu Selbsständigkeit und Verantwortung erzogen, und das konnte man nicht früh genug lernen. Als erstes kamen wir bei der Huttelmimi vorbei, eine Außenseiterin im Dorf. Sie wohnte ganz allein oben auf dem Berg. Man sagte, daß sie Schlangen als Haustiere halte. Mit etwas Gruseln und neugierigem Blick nach Schlangen gingen wir an ihrem Haus vorbei. Dann ging der Weg duch das Doktors Waldele. Ein Arzt hatte den kahlen Berghang wieder aufforsten lassen. Gegen Abend waren wir dann in Talatsch wo wir übernachten sollten. Der Bauer fragte jedes Kind wem es gehöre. Dann wurden die Buben in die Bubenkammer geschickt. Zum Leidwesen von Gaby, sie hatte für Mädchen unüblich kurze Haare, wurde sie auch in die Bubenkammer geschickt, woraufhin sie sich wehrte und sagte, daß sie doch en Mädchen sei. Dann wurde sie mit Emma zusammen in die Mädchenkammer geschickt. Der nächste Tag war einfach, wir hatten ja den Aufstieg schon hinter uns, es ging dann das Tal entlang bis zur Alm. Wir hatten wunderschönes Wetter und erreichten die Alm noch am Vormittag. Klaus erklärte warum wir hier seien und daß wir morgen mit dem Käse zurück ins Dorf wollten. Den Nachmittag vergnügten wir uns auf dem Blechdach des Stalles von dem man am Hosenboden runterrutschen konnte. Daß jeder Bub Lederhosen trug, versteht sich von selbst. Diesmal übernachteten wir alle im gleichen Raum. Am nächsten Tag, auf dem Zurückweg, der sehr steil war, passierte dem Heinzi noch ein kleines Missgeschick. Sein Käselaib machte sich selbstständig und kollerte den Weg hinunter. Zum Glück wurde er durch einen Stein gebremst, und legte sich auf die Flachseite. Sonst hätte es sicher Zuhause Probleme gegeben . Mit diesen Bildern im Kopf ging es heute zur Bestrahlung. Es dauerte etwas länger, da es Probleme mit der Maske gab, ich war jedoch genug entspannt um nicht zu beunruhigen. Nach der Bestrahlung bekam ich dann Besuch von Ingrid, Liviu und Rainer. Es war schön mit ihnen im Park spazieren zu gehen und mit ihnen über ganz normale Dinge zu reden. Ausser Essen!!!Sie haben mich für den Rest der Zeit im Krankenhaus mit Filmen versorgt. Zwei Taschen voll. Die Arztvisite war lustig heute. Wie der Chefarzt herein kam hat er mich auf Italienisch begrüßt. Ich habe das Gespräch dann auf Italienisch fortgesetzt. Sein Italienisch ist besser als meins und er erkannte sofort meinen Südtiroler Akzent. Dann erzählte er, über sein Medizinstudium in Padova und seinen Erfahrungen mit den Südtirolern. Über ärztliche Themen wurde diesmal überhaupt nicht gesprochen.

Donnerstag, 28. August 2008

18. Tag der Bestrahlung

18 plus 17 macht 35. Also ich bin jetzt über der Hälfte. Nur noch 17 Bestrahlungen!!! Heute tauchte ein ganz passendes Bild vom Camino auf. Ich war gerade am Berechnen ob ich die Hälfte des Weges zurückgelegt hätte oder nicht. Es muß wohl zwischen Calzadilla de la Cueza und Sahagun gewesen sein. In Calzadilla kam ich ziemlich müde und erst sehr spät an. Zum Glück gab es noch ein Bett. Meine Bettnachbarn waren Antonio und Ambra aus Padova. Beim Antonio mußte ich immer an den Heilligen Antonius aus Padova denken. Ich glaube der hatte eine ähnliche Statur. Ich ruhte mich ein bisschen aus, da kam ein Deutscher hereinspaziert, der gleich alle Aufmerksam auf sich zog. Er begrüßte Antonio und Ambra recht herzlich und versuchte in einem Kauderwelsch aus Spanisch und Englisch und Zeichensprache ihen etwas zu erzählen. Um die Sache etwas abzukürzen bot ich an zu übersetzten. Heiko wollte erzählen was mit seiner Freundin Angelika gestern los war. Sie war in Charion de los Condes und war krank. Heiko brachte sie dann zum Arzt, der ihr eine Spritze gab. Sie müßte noch einen Tag in Charion bleiben und dann würde sie den Bus nach Sahagun nehmen und Heiko dort treffen. Ich fragte noch arum er nicht bei Ihr geblieben wäre. Ich glaube er meinte, daß jeder seinen Weg gehen muß, mit Betonung auf "seinen". Am nächsten Tag ging's also nach Sahagun. Ich bin den ganzen Weg alleine gelaufen. Wie ich die Hauptstraße in Sahagun überqueren wollte, hielt ein Autobus und einige Pilger stiegen aus. Auf den ersten Blick erkannte ich Horst und Meli, mit denen ich schon in St. Juan Pied de Port Bekanntschaft gechlossen hatte. Wir umarmten uns herzlich. Dann war da noch Nancy, eine Amerikanerin die immer recht fit war. Nur jetzt war sie in einem elenden Zustand. Sie konnte nicht mehr gehen und mußte sich an einem Stock mit beiden Händen festklammern. Nur mühsam konnte sie einen Fuß vor den anderen setzten. Allein schon vom Gehweg auf die Straße zu gelangen war ein großes Problem. Dann war noch eine Deutsche dabei. Sie erzählte daß sehr viele Pilger in Charion de los Conde erkrankt seien, alle hatten sie Durchfall und Magenprobleme. Sie erzählte, daß sie gestern beim Arzt war und eine Spritze bekommen hätte. Daraufhin sagte ich: "Dann mußt Du Angelika sein" was sie sichtlich erstaunte. Da kamen Antonio und Ambra und gaben mir das Prospekt eines neuen Albergues das ganz in der Nähe war. Welch ein Glück für Nancy. Es dauerte zwar lange bis wir die hundert Meter zum Albergue zurücklegten, doch Nancy schaffte es. Über die Stufen lief sie einfach auf allen Vieren, so wie ein Baby. Dort gab es nicht nur einen riesigen Schlafsaal der allerdings unbeheizt war, sondern auch sage und schreibe drei Zweibettzimmer. Für Horst und Meli war klar, daß sie ein Zweibettzimmer nehmen würde. Angelika wollte mit Heiko das Zimmer teilen. Dann blieben ich und Nancy übrig. Wir haben schon so oft im gleichen Raum geschlafen, allerdings mit mindestens zwanzig anderen. Als Ausnahme konnten wir auch mal das Zimmer nur zu zweit teilen. Also, alles geregelt, das Badezimmer war für die drei Zimmer gemeinsam. Es war purer Luxus, Marmorfließen und eine riesige Badewanne. Das erste mal, daß ich eine Badewanne auf dem Camino sah. Meli war überaus glücklich. Im Bad standen Badeöle, Shampo, und sogar Rasiercreme zur Verfügung. Es gab sogar noch eine Küche, ich wollte Spaghetti Aglio Olio, peperoncino machen, mit nachdruck auf Peperoncino. Gar nicht so einfach Peperoncini aufzutreiben, doch ich wollte es versuchen. Und wirklich, ich fand in Sahagun Peperoncini. Spaghetti und Öl hatte Nancy von Lorenzo mitbekommen. Also nichts stand im Wege für eine gemeinsame Mahlzeit. Die Spaghetti waren für einige etwas scharf, doch mit dem guten Spanichen Wein dazu war es kein Problem. Beim Abendessen erzählte ich Angelika von LeeAnne, mit der ich bis jetzt immer mehr oder weniger gemeinsam gegangen bin.Nur jetzt hatte ich sie verloren, weil ich unbedingt noch den 17 Km Marsch drauflegen wollte. Sie fragte mich ob das womöglich eine Kanadierin mit kurzen rötlich blonden Haaren sei. Ja, ja, das konnte nur LeeAnne sein. Angelika hatte letzte Nacht neben ihr geschlafen. Auch LeeAnne war krank. Anscheinend kam es vom Wasser in Boadilla del Camino. Jeder der dort war ist krank geworden. Ich war zwar auch dort, womöglich habe ich intuitiv Bier getrunken und das Wasser nicht angerührt. Eine andere Erklärung gabs nicht. Die Zeit während der Bestrahlung war flugs vorbei. Es mußte nur noch die neue Bestrahlungsanlage eingestellt werden. Das kostete etwas Nerven, doch war ich guter Dinge. Nach der Bestrahlung ging ich zum Friseur wo es die vielen Perücken gab und ließ mir die Haare ganz kurz schneiden. Sie sind jetzt auf 8 Millimeter gekürzt. Gegen Mittag kam dann die Ernährungsberaterin ins Zimmer um das weiter Vorgehen zu besprechen. Sie war sehr verständnisvoll als ich ihr schilderte wie mir vor dem Essen grauste. Von nun an bekomme ich klare Suppe und Sahnepudding.

Mittwoch, 27. August 2008

17. Tag der Bestrahlung

Heute war ich schon um 09:15 mit der Bestrahlung dran. Was würde mir wohl heute einfallen auf dem Behandlungstisch? Gestern las ich in Gabaretas blog http://gaba-ultramind.blogspot.com/ daß sie in Italien Urlaub macht. Vieleicht hat mich das inspiriert? Jedenfalls tauchte als erstes der Strand von Taormina auf, mit sehr dunklem Sand, dann die Schlucht des Alcantara von der es eine Briefmarke gibt. Ich erinnerte mich wie ich durch das eiskalte Wasser waten mußte um vorwärts zu kommen. Immer tiefer die Schlucht erkundete, bis mir so kalt war, daß ich umkehren mußte. Wieder draußen aus der Schlucht gab es eine Bar mit ganz glatt polierten Granitfließen, wo wir einen Capuccino bestellten. Da lief plötzlich ein Pferd an uns vorbei, lief in die Bar hinein, wurde total unsicher wegen des glatten Bodens, blieb dann aber an der Bar stehen, so als wollte es etwas bestellen. Ein Geschrei ging loß bis endlich der Besitzer des Pferdes ausfindig gemacht wurde, der es dann sicher aus der Bar hinaus führte. Dann verschlug es mich nach Umbrien und zwar nach Preggio, einem total einsamen Ort. Es war Ostersonntag, Lisa und ich waren hungrig.Es gab nur ein einziges Restaurant im Ort. Ich fragte Lisa zur Sicherheit ob sie Geld bei sich habe, meine Brieftasche war nämlich bis auf 8000 Lire leer. Zu unserem Schreck stellte Lisa fest, daß sie ihre Brieftasche im Hotel vergessen hatte.Da wir schon mal da waren schauten wir uns die Speisekarte vor dem Restaurant an um zu sehen was wir wohl für 8000 Lire bekommen könnten. Da kam auch schon die Wirtin heraus um uns zu sagen, daß wir erst gar nicht auf die Karte zu schauen brauchten, da es nur das Ostermenue gäbe, sonst nichts. Ich sagte, daß ich nur schauen wollte was es für 8000 Lire zu essen gäbe. Sie meinte "Non si preocupi" was auf Deutsch heißt "Machen sie sich keine Sorgen". "Lei paga quando le torna comodo" "Sie zahlen wann immer es ihnen leichtfällt" Wir waren etwas erstaund über das Vertrauen, betrügen schien hier unbekannt zu sein. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen und nahmen die Einladung nur allzu gerne an. Es gab ein 9 Gänge Menü mit allen Raffinessen, alles hausgemacht. Daran hätte ich besser nicht denken sollen, denn jetzt wurde mir richtig Übel. Ich hätte wissen müssen, daß ich nicht an Essen denken sollte. Zum Glück war die Bestrahlung gerade zu Ende und mir wurde die Maske wieder abgenommen. Und wieder verließ ich allerschleunigst das Kellergeschß, in dem die Bestrahlung sattfindet, um ins Freie zu flüchten. Den Rest des Vormittags sah ich mir die DVD an die Lisa ausgeliehen hatte. "The Darjeeling Limited" einen lustigeren Film hätte Lisa nicht finden können. Ich wurde für 2 Stunden nur so in den Film hineingesogen, daß die Übelkeit nicht mehr zu spüren war. Dann kam die Visite. Der Professor erklärte Lisa und mir total detailiert wie bei der Strahlentherapie und Chemotherapie vorgegangen wird. Es wird das Volumen des Tumors gemessen, daraus die Anzahl der Zellen berechnet, er sagte so was von 10 hoch 9. Diese Zellen galt es alle unschädlich zu machen, da sie vom Immunsystem nicht als schädlich erkannt werden, da es ja körpereigene Zellen sind. Man könne die Anzahl um zwei Potenzen veringern, da nur etwa jede hundertste Zelle fähig zur Reproduktion ist, dennoch bleibt noch eine unvorherstellbare Menge an Zellen über die es zu Vernichten gilt. Die Chemotherapie schaffe nur einen kleinen Bruchteil davon. Es ist die Strahlentherapie die den Ausschlag gibt. Und da gibt es viel zu berechnen welche Strategie die günstigste ist. Deshalb wurden bei mir heute die Strahlungsfelder neu eingeteilt. Auf Lisa's Frage was dann am Ende der Therapie wäre, meinte er, daß die Patienten ein halbes Jahr nach Therapieende zur Kontrolluntersuchung kommen würden und noch recht angeschlagen seien. Bei der darauf folgenden Kontrolluntersuchung würde es den meisten dann wieder gut gehen.